Weintipps

Weinkritik: Der erste Bottletank

Am 12. Okto­ber tra­fen sich Som­me­liers, Jour­na­lis­ten und Win­zer zum ers­ten Bott­le­tank, zu dem die Stern­e­fres­ser in Koope­ra­tion mit Effi­lee ein­ge­la­den hat­ten. Die Idee ist, ähn­lich wie beim Cook­tank, den Erfah­rungs­aus­tausch zu för­dern unter Leu­ten, die sich aus Pro­fes­sion und Lei­den­schaft mit dem Thema befas­sen. Zugleich sollte der geilste Deut­sche Spät­bur­gun­der 2012 gekürt werden.

Text und Fotos: Vijay Sapre
Wenn bei so einer Veranstaltung etwas klappt, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass Daniela Heykes die Finger im Spiel hatte

Wenn bei so einer Ver­an­stal­tung etwas klappt, ist die Wahr­schein­lich­keit groß, dass Daniela Heykes die Fin­ger im Spiel hatte

Vier­zehn Teil­neh­mer hat­ten sich – sofern sie nicht sowieso schon da waren – auf den Weg nach Ber­lin ins Rutz gemacht, um den geils­ten deut­schen Spät­bur­gun­der des Jah­res 2012 zu küren. Übli­cher­weise geht so ein Wett­be­werb so vor sich, dass die Win­zer ange­fragt wer­den, ihren Wein (oft gegen Gebühr) ein­zu­stel­len, aus die­sen Wei­nen wird dann eine Vor­aus­wahl getrof­fen und die Jury wählt aus der Vor­aus­wahl den Gewin­ner. Wir beschlos­sen, statt­des­sen auf die Kom­pe­tenz der Teil­neh­mer zu set­zen, und so war jeder auf­ge­for­dert, den Wein mit­zu­brin­gen, den er selbst für den geils­ten hielt. Das führte dann zwar dazu, dass etli­che der ganz gro­ßen Namen fehl­ten, ande­rer­seits gab schon mit der Wein­aus­wahl jeder Teil­neh­mer ein gewis­ses State­ment über seine Vor­lie­ben ab.

Ver­kos­tet wurde blind, in sie­ben Flights mit je zwei Wei­nen, außer sei­nem eige­nen Wein wusste kei­ner, wel­che Weine noch ein­ge­stellt waren. Die Flights stellte freund­li­cher­weise Chris­toph Schlee von der Wein­halle in Nürn­berg zusam­men.
Zum Avi­nie­ren der Ver­kos­ter wurde Cave Pri­vée 1990 von Veuve Cli­quot gereicht, dann ging es zur Sache. Es wurde durch­aus hit­zig dis­ku­tiert, erst über den Bewer­tungs­mo­dus, dann über die Weine. Gerade die Tat­sa­che, dass auch drei aktive Win­zer am Tisch waren, trug dazu bei.

Ursula Heinzelmann braucht keine Quote, um sich durchzusetzen

Ursula Hein­zel­mann braucht keine Quote, um sich durchzusetzen


Ins­ge­samt war jedoch eine recht klare Linie zu erken­nen, die bes­ten Bewer­tun­gen erhiel­ten Weine, die eher leicht­fü­ßig ele­gant daher­ka­men, die Zeit der Wucht­brum­men scheint end­gül­tig vor­bei. Nach aus­führ­li­cher Ver­kos­tung und auf­op­fe­rungs­vol­ler Arbeit am Lap­top durch Chris­tian Stromann stan­den die Gewin­ner fest:
Der geilste deut­sche Spät­bur­gun­der war für die Runde der Pinot Noir Reserve, Baden, 2012, von Hol­ger Koch, der von Chris­toph Gey­ler, dem Som­me­lier des Rutz ein­ge­stellt wurde. Bereits das durch­schei­nende Zie­gel­rot lässt erah­nen, dass die Ele­ganz sich vor die pure Kon­zen­tra­tion stellt. In die­sem Sinne zieht sich die Fili­gra­ni­tät wei­ter. Neben klars­ter Pino­t­frucht im Bukett, über­zeugt der 2012er Pinot Noir ob sei­ner Aus­ge­wo­gen­heit, einer kna­cki­gen Frucht und einer fei­nen Säure, die den jugend­li­chen Rot­wein über den Gau­men spannt. Ein durch und durch gelun­ge­ner Ver­tre­ter der küh­le­ren Spät­bur­gun­der­sti­lis­tik.
Platz zwei belegte der Spät­bur­gun­der Son­nen­berg, Würt­tem­berg, 2012, von Dau­tel. Er zeigt, wie sehr die Wein­szene die stille Rot­wein­re­vo­lu­tion Würt­tem­bergs ver­schla­fen hat. Dau­tels Spät­bur­gun­der vom Son­nen­berg bie­tet mäch­tig Sub­stanz. Der Wein­tipp stammte von Som­me­lière Nina Mann (Schloss­gar­ten, Stutt­gart), die sich inner­halb kür­zes­ter Zeit offen­bar ganz gut ins Schwa­ben­ländle ein­ge­lebt hat.
Platz drei wurde von Ger­hard Ret­ter ins Spiel gebracht: Fell­ba­cher Lämm­ler Spät­bur­gun­der Berg­man­del GG, Würt­tem­berg, 2012 von Schnait­mann eben­falls aus Würt­tem­berg.
Der Wein besticht durch eine viel­schich­tige Frucht, die dane­ben auch mit Brenn­nes­sel und fei­nen Kräu­tern nuan­ciert wird. Ein prä­zi­ser und äußerst kraft­vol­ler Spät­bur­gun­der.
Einig waren sich die Teil­neh­mer dar­über, dass der Bott­le­tank fort­ge­setzt wer­den sollte, dabei wurde vor allem die Frage dis­ku­tiert, ob man für den einen oder ande­ren sehr nam­haf­ten Wein der hier viel­leicht fehlte (und von denen die Ver­an­stal­ter eher befürch­tet hät­ten, dass sie mehr­fach ein­ge­stellt wer­den) Wild­cards ver­ge­ben soll­ten.
Nach­dem einige sich zurück­zo­gen, weil ent­we­der die Ernte noch voll im Gang war (Zie­rei­sen) oder der Vor­abend in der Cor­do­bar noch in den Kno­chen steckte (Tei­bert), traf man sich zum Abschluss bei Herrn Wu im Hot Spot, um alle offe­nen Fra­gen zu bespre­chen, ein maß­ge­schnei­der­tes Menü zu tei­len und die eine oder andere Fla­sche zu leeren.

Morgen scheint die Sonne in Berlin

Mor­gen scheint die Sonne in Berlin

Teil­neh­mer Bott­le­Tank No. 1 im Rutz, Berlin:

Nina Mann (Schloss­gar­ten, Stutt­gart)
Bön­nig­hei­mer Son­nen­berg, Wein­gut Dau­tel 2012

Steve Hartzsch (Fischers Fritz)
2012 PN Wein­gut End­erle & Moll »Bunds­and­stein«

Ger­hard Ret­ter (Cor­do­bar)
Simon­roth R GG von Rai­ner Schnait­mann aus Württemberg

Jür­gen Ham­mer (Deut­sche Som­me­lier­schule)
Spät­bur­gun­der, Frank John, Hirsch­hor­ner Hof, Pfalz

Jan Konetzki (Gor­don Ram­say) 
Fürst Cent­gra­fen­berg GG 2012

Ursula Hein­zel­mann
2012 Köp­pel von Wehrheim

Tho­mas Tei­bert (Domaine de l‘Horizon)
Peter-Jakob Kühn Frü­hen­berg 2012

Paul Schu­ma­cher (Wein­gut Paul Schu­ma­cher)
2012 Wal­porz­hei­mer Kräu­ter­berg Spät­bur­gun­der Qba, Schumacher

Hans­pe­ter Zie­rei­sen (Wein­gut Zie­rei­sen)
Zie­rei­sen Schu­len 2012 & Jaspis

Vijay Sapre (Effi­lee)
Künst­ler Rei­che­s­tal 2012

Sebas­tian Bordthäu­ser
2012 Kall­stad­ter Sau­ma­gen, Wein­gut Rings

Billy Wag­ner (Nobel­hart & Schmut­zig)
2012 Koe­pfle von Hen­rik Möbitz

Chris­toph Gey­ler (Rutz)
2012 Pinot Noir Reserve, Hol­ger Koch

Mar­kus Budai (Stern­e­fres­ser)
Klin­gen­ber­ger GG von Bene­dikt Bal­tes vom Wein­gut der Stadt Klin­gen­berg in Franken


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