Spaghetti-Test

Kaum ein Produkt landet wohl häufiger auf dem deutschen Durchschnitts-Essteller als Spaghetti. Mit welcher Sauce oder in welcher anderen Kombination auch immer – Tag für Tag bemühen sich Tausende darum, die lange, dünne Pasta möglichst unfallfrei in den Mund zu befördern. Aber wie verhält es sich mit den Unterschieden zwischen einzelnen Marken? Gibt es überhaupt welche? (Um es gleich vorweg zu sagen: ja, ganz eindeutig!) Die Kochpiraten machten die Probe aufs Exempel und unterzogen folgende Produkte einer vergleichenden Verkostung (wenn nicht anders angegeben, bestehen sie zu 100% aus Hartweizengrieß):

  • Barilla Spaghetti No. 5 (Mindesthaltbarkeitsdatum: 09.09.08)
  • Birkel Spaghetti (mit 10% Frischei) (MHD-Stempel leicht verwischt, wahrscheinlich 2008)
  • Buitoni Spaghetti (MHD: xx.11.08)
  • Casa Morando Spagetti(sic!) (mit 20% Vollei) (Aldi Nord-Handelsmarke, keine Produkt-Webseite) (MHD: 07.11.07)
  • De Cecco Spaghetti 12 (MHD: 31.08.08)
  • Erlenhof Spaghetti (mit 10% Frischei) (Rewe-Handelsmarke) (MHD: 06.12.08)
  • 3 Glocken Spaghetti (MHD: 08.09.08)
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Testaufbau

Alle Produkte wurden im Januar 2006 in Hamburg eingekauft. Gekocht wurden sie in Wasser, einheitlich mit 8 g Salz pro Liter versetzt. Bei der Kochzeit folgten wir penibel den Herstellerangaben. Immerhin lagen die Empfehlungen zwischen sieben und zwölf Minuten. Sofern eine Spanne angegeben war (die im Höchstfall drei Minuten Differenz beinhaltete), wählten wir den Mittelwert. Die fertigen Spaghetti ließen wir gründlich abtropfen; abgeschreckt wurden sie nicht.

Um parallel sieben Sorten Pasta zu kochen, ist ein Profiherd schon sehr hilfreich – das zentral zum Kochen gebrachte Wasser wurde auf sieben Einzeltöpfe verteilt. Die Verkoster selbst waren aber „Genießer wie du und ich“, also keine Köche, Ökotrophologen oder Lebensmittelchemiker. Sechs Testpersonen waren involviert, von denen fünf lediglich wussten, welche Marken vertreten waren; nur einem waren die hinter den Nummern stehenden Marken in der korrekten Zuordnung bekannt. Es handelte sich somit für fünf Testteilnehmer um eine einfache Blindverkostung. Erst nach Abschluss der Beurteilungen wurden die Markenzuordnungen bekannt gegeben.

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Wir absolvierten vier Durchgänge:

  1. Optische und texturelle Begutachtung der trockenen, ungekochten Spaghetti
  2. Optische, texturelle und geschmackliche Begutachtung der gekochten Spaghetti
  3. Optische, texturelle und geschmackliche Begutachtung der gekochten Spaghetti, angerichtet mit Butter und Parmigiano-Reggiano
  4. Optische, texturelle und geschmackliche Begutachtung der gekochten Spaghetti, angerichtet mit einer Tomatensauce auf Olivenölbasis (mit Knoblauch, Pfeffer und Basilikum)

Für die Durchgänge drei und vier wurden natürlich jeweils frische Portionen gekocht.

Ergebnisse

1. Optische und texturelle Begutachtung der trockenen, ungekochten Spaghetti

Schon hier eine gewisse Überraschung: Offensichtlich betrachtet man rohe Spaghetti selten so genau, dass man die dunklen Flecken wahrnimmt, die sie zieren. Die Unterschiede waren recht gering, wobei die beiden eihaltigen Produkte von Birkel und Erlenhof leicht goldgelb erschienen, die anderen Spaghetti dagegen eher blass grau-gelb waren – auch das eihaltige Casa Morando-Produkt. Die Textur der Spaghetti stellte sich relativ einheitlich glatt bis leicht angerauht dar; lediglich das Produkt von De Cecco war deutlich rauer und körnig.

2. Optische, texturelle und geschmackliche Begutachtung der gekochten Spaghetti

Optisch waren die Nudeln im gekochten Zustand einander noch ähnlicher als roh, wobei 3 Glocken, Barilla und insbesondere De Cecco etwas stärker aufquollen als die übrigen Produkte. Erfreulich ist, dass keine der Nudeln zu hart oder regelrecht verkocht war. Allerdings reichte das Spektrum schon von „recht fest“ (Barilla) bis zu „klebrig“ (Casa Morando) bzw. „etwas zu weich“ (3 Glocken/Birkel). Die Casa Morando Spagetti ergaben im Mund eher den Eindruck von Spaghettini; De Cecco dagegen wirkten sehr opulent, dabei aber nicht unbedingt unangenehm. Dass man fabrikgefertigte Pasta also auch dann al dente kochen kann, wenn sie Ei enthält – etwas, das bei hausgemachter Pasta nicht möglich ist – wurde letztlich nur von Erlenhof bewiesen.

Ganz ohne Sauce hielt sich die Geschmacksintensität der Nudeln in gewissen Grenzen; Unterschiede waren aber durchaus vorhanden. Buitoni zeigte eine leichte Zimtnote, während bei Casa Morando ein stärkerer, fischig-metallischer Fehlton erkennbar war. Die beiden anderen eihaltigen Produkte waren weniger eindeutig zu identifizieren.

3. Optische, texturelle und geschmackliche Begutachtung der gekochten Spaghetti, angerichtet mit Butter und Parmigiano-Reggiano

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Diese Art der Zubereitung war eigentlich wie geschaffen für die Eiernudeln. Allerdings ließen sich hier keine signifikanten Unterschiede bemerken; für die Differenzen sind offensichtlich die Herstellungsunterschiede des einzelnen Produktes von größerer Bedeutung als die grundsätzliche Wahl der Komponenten. Butter, Käse und Pasta verbanden sich durchweg gut. Geschmacklich drückte der Käse dem Ganzen natürlich seinen Stempel auf; eine Ausnahme bildete Casa Morando, hier schmeckte leider die fischig-metallische Note wieder durch.

4. Optische, texturelle und geschmackliche Begutachtung der gekochten Spaghetti, angerichtet mit einer Tomatensauce auf Olivenölbasis (mit Knoblauch, Pfeffer und Basilikum)

Auch im Zusammenspiel mit dieser kräftig-rustikalen Sauce verschoben sich die Beurteilungen nicht grundlegend. Optisch verbanden sich alle Sorten gut mit der Sauce. Geschmacklich öffnete sich die Schere allerdings weiter als in der vorigen Runde: Einige Marken rückten stärker die fruchtigen Noten der Sauce in den Vordergrund (Buitoni, Erlenhof), bei anderen kam die Würzigkeit deutlicher hervor (Barilla, De Cecco). Casa Morando konnte seinen Fehlgeschmack wiederum nicht ablegen; bei Buitoni war tatsächlich trotz des Basilikums die eigene leicht zimtige Note nach wie vor erkennbar, für die meisten Tester aber nicht unangenehm.

Gesamtbewertung

Jede Testperson bewertete jede Marke mit einer Gesamtnote zwischen 1 (sehr schwach) und 10 (exzellent). In der Durchschnittsbildung ergab sich danach folgendes Bild:

  1. Buitoni (7,67)
  2. Barilla (7,16)
  3. De Cecco (6,33)
  4. Erlenhof (6,0)
  5. Birkel / 3 Glocken (je 4,83)
  6. Casa Morando (1,68)

Fazit

Die italienischen Marken aus 100% Hartweizen schnitten am besten ab, weil sie die in der Regel bissfesteren und geschmacklich ausgewogeneren Saucenträger abgaben. Buitoni errang den Spitzenplatz durch seine hervorragende Textur; noch besseren Noten stand das Zimtaroma entgegen. Barilla gefiel mit seiner Kompaktheit, und De Cecco polarisierte mit seiner Üppigkeit.

Als Alternative mit Ei empfahl sich am ehesten das recht neutrale Produkt von Erlenhof. Casa Morando fiel aufgrund seines unangenehmen Beigeschmacks und der zu zarten und weichen Textur deutlich ab.

Ein Gedanke zu “Spaghetti-Test

  1. Hallo vielen Dank für den ausführlichen Test (auch wenn dieser schon etwas älter ist). Wir verwenden für die Pastarezepte auf unserem Blog am liebsten die De Cecco Spaghettini n11. Die sind etwas kleiner und nicht so opulent. lg Timo

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