Gegessener Käse

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Alpkäse von der Alpe Helmingen

In kurzen Lederhosen und Holzpantinen fällt mir Thomas Breckle sogar im bunten Menschengewirr des Isemarkts sofort auf. Seine gute Laune ist so ansteckend, dass ich das grauschwüle Regenwetter vergess

Schweiz: Vacherin Mont-d’Or

Wir reden von dem runden Käse aus dem Jura, eine Autostunde nordwestlich von Lausanne, der nach dem Goldberg, dem Mont d’Or benannt ist (und natürlich nach seinen Urheberinnen, den Kühen; merci Mesdames les vaches!).

England Cardo

Käse und Vegetarier, wie passt das zusammen? Ich respektiere so gut wie alle ethischen Prinzipien, aber zwei Punkte sind in diesem Fall einfach Fakt. Erstens: keine Milch ohne junge Tiere. Von denen sind aber rund die Hälfte nun mal männlich und werden zumindest aus meiner Sicht sinnvoller­weise gegessen. Zweitens: Damit die flüssige Milch zu festem […]

Murazzano DOP aus Piemont, Italien

Der Murazzano stammt aus der Provinz Cuneo, südlich von Turin zum Mittelmeer hin. Eine kleine Scheibe, gut zehn Zentimeter im Durchmesser, knapp vier Zentimeter hoch und gut dreihundert Gramm schwer, der Teig weich, aber nicht fließend, in hellem Elfenbein, mit wenigen, winzigen Löchern, die Rinde ein wenig trockener, runzlig und einen Stich dunkler – das beschreibt ihn optisch.

Shai Seltzer Cheese & Goats Raaya

Mann, sind wir Freaks oder nicht? Wie die Winzer und Weintrinker, die aus jedem Wein eine Raterunde nach Herkunft, Rebsorte und Winzer machen … Doch wie bei einer richtig spannenden Flasche bin ich auch bei diesem Käse plötzlich hellwach, alle sensorischen Antennen signalisieren Empfang, die Neuro­transmitter schalten drei Gänge höher.

Aschekäse vom Hof Dannwisch

Ich sitze mit den beiden in Hamburg, auf dem Tisch zwischen uns das umstrittene Käse-Objekt. Die dicke quadratische Scheibe leuchtet in sattem Elfenbein und ist von unregelmäßigen feinen dunklen Adern durchzogen. Es ist nicht das erste Mal, dass dieser Käse für Kontroversen sorgt. Meist beginnt es damit, dass beim ersten flüchtigen Blick das Stichwort Blauschimmelkäse fällt, die erwartete geschmackliche Würze oder gar Schärfe aber ausbleibt. Und dann kommt der zweite Bissen aus der Mitte auch noch ganz anders daher als der erste vom Rand mit der krumpeligen hellgrauen Rinde!

Keen’s Cheddar

Seit 1899 ist die Moorhayes Farm im Besitz der Familie Keen; heute leben dort zweihundertfünfzig Kühe, deren Milch George, sein Bruder Stephen und ihre beiden Söhne zu einhundertdreißig 25 Kilogramm schweren Cheddarlaiben pro Woche verarbeiten.

Asendorfer Schichtkäse

Was ist Quark, der im Alemannischen und Schwäbischen Bibbeleskäs und weißer Käse heißt, Topfen und Schotten im bayerischen und österreichischen Sprachraum, Glumse im Osten, Matte oder Matz in der Mitte Deutschlands, Sibb- oder Schmeerkees in Hessen, Luggeleskäs in Württemberg?

Findling

Klingt alles doch sehr nach Landtraum? Der Pimpinellen-Käse beweist mit jedem Bissen das Gegenteil. Bodenhaftung und Ernsthaftigkeit dieses Bio-2.0-Projekts sind schmeckbar. Mein Liebling ist dabei der Findling. Angesichts seines gewichtigen Namens ist es ein kleiner Kerl, doch das täuscht ebenso wie sein Aussehen

Camembert aus Vietnam

Das erste Mal … ist nicht zwangsläufig am besten, aber immer besonders. Was auch kulinarisch gilt: Das erste Eintauchen in eine Essenskultur vor Ort bietet so viele Ahas, Ohs und Wows, die sich weder durch You­Tube noch durchs Fernsehen ersetzen lassen; ganz wie im richtigen Leben. Kürzlich also: Vietnam, oder zumindest ein kleiner Teil davon. […]

Ferskost, ein Käse aus Norwegen

Norwegen und Käse? Klar, brunost. Ockerbraunes Super-Umami-Konzentrat und ein bisschen karamellig, aber doch nicht richtig süßlich, Konsistenz irgendwo zwischen Fudge und sehr kalter Nussnougatcreme und eigentlich gar kein Käse. Läuft manchmal auch als geitost (für die Norweger ist der Osten, ost, Käse, brun ist braun, geit die Ziege, obwohl der Block meist aus Kuhmilch …). Kein […]

Hubaner aus Österreich

Reden wir übers Älterwerden. Schmerzhaftes Thema? Ein Grund mehr, ihm fest ins Auge zu schauen. Schließlich lässt es sich nicht vermeiden, und die große Kunst des Lebens besteht doch darin, das Unvermeidliche so erfreulich wie möglich zu gestalten. Vielleicht ist es einfacher, von Reife zu sprechen – womit wir schon beim Punkt wären: manche werden […]

Monforte Providence, ein Käse aus Ontario, Kanada

Money makes the world go round, Geld regiert die Welt. Das ist ein ungewohnter (und bei genauer Überlegung auch nur bedingt gültiger) Einstieg für diese Kolumne, die sich viel lieber mit Käsearomen, Alpwiesen und Bakterienkulturen beschäftigt. Aber Käse entsteht nur selten aus reinem Spaß an der Freud, selbst bei niedrigen Ansprüchen ans Leben (und auf […]

Leichte Marie, ein Käse aus Deutschland

Das sind Futtermöhren für die Kühe, weil unser Heu von den Niedermoorwiesen wirklich zu mager ist, um sie durch den Winter zu bringen. Im Herbst kommt da immer ein ganzer Trupp von freiwilligen Helfern und pflückt zuerst das Grün …« Möhrenblätterwerk – das überfordert meine Stumpf-und-Stiel-Prinzipien beim Gemüse immer wieder. Radieschenblätter ergeben großartigen Salat, Kohlrabi- und […]

Faszenes

Hinter der Theke zischt leise eine Kaffeemaschine, begleitet von dem Krachen, mit dem ein Messer durch Brot fährt. Auf einem der wenigen Hocker vor dem Tresen am Fenster sitzt ein junger Mann und liest Zeitung.

Banon von Sabine Ferrari aus der Provence

Der Hof von Sabine Ferrari liegt in Curel im Vallée du Jabron, einem Hochtal im Norden der Provence. Das Dorf hat knapp sechzig Einwohner. Auf der zweistündigen Fahrt von Marseille überlasse ich mich den Landstraßen, komme an Lavendelfeldern vorbei, berausche mich an dem intensiven Aroma der violett leuchtenden Blüten, in das sich eine Ahnung von herbem Honig mischt.

Naturkäse von Thilo Metzger-Petersen, Schleswig-Holstein

Liebe Käse-Esser, wir müssen reden, und zwar über Zeug im Käse. Damit meine ich vor allem die Gewürze, Kräuter, Früchte und Gemüse, die für angebliche Vielfalt in der Käsetheke sorgen. Vor Jahren unterhielt ich mich mit zwei jungen Käserinnen über genau dieses Thema. Ich war kurz zuvor bei einem Wettbewerb durch einen Sanddorn-Schnittkäse traumatisiert worden (immerhin nicht so aufdringlich wie Trüffel, Senf oder quietschgrünes Pesto) und frotzelte, ich warte auf den ersten Laib mit Gummibärchen – worauf prompt die Antwort kam: »Hab ich versucht, die lösen sich auf!«