Herrn Paulsens Deutschstunde: Pudding, Flammeri und Götterspeise

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Jetzt wird es kurz kompliziert, anschließend gibt’s aber was Süßes zur Belohnung! Es geht um den Pudding, und wer Pudding denkt, denkt häufig erst einmal an den gelb glänzenden Vanille-Klassiker der Firma Dr. ­Oetker aus Bielefeld, deren Original Pudding Vanille-Geschmack seit 1894 in deutschen Töpfen angerührt wird – und darum eigentlich eher ein Flammeri ist, eine süße, gekochte Cremespeise aus Milch, Wasser, Fruchtsäften, stärkehaltigen Komponenten und auch Ei, die später erkaltet und gestürzt serviert wird, die Zugabe von Gelatine ist ebenfalls charakteristisch. Pudding hingegen ist eine Speise, die in einer Form im Wasserbad gegart wird und keineswegs nur süß sein muss. Das legt schon die Etymologie des Wörtchens Pudding nahe, dass sich vom lateinischen botellus = Wurstfüllung, über das französische boudin zum pudding entwickelte. Tatsächlich waren die ersten Puddinggerichte eher in Schafsmagen oder Puddingtuch gegarte, überwiegend herzhafte Angelegenheiten aus Fleisch, Fett, Rindertalg, Getreide, Brot, Gemüsen, Blut oder Innereien – ganz weit vorne dabei die Briten, die mit Haggis und Black Pudding gleich zwei Puddingklassiker im kulinarischen Kanon ihres Landes führen. In Deutschland kam der Pudding mit Verspätung an, einer seiner Väter ist König Georg I. Ludwig, Begründer der Königsdynastie des Hauses Hannover und ab 1698 Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg – Spitzname: Pudding-George. Doch bis ins 19. Jahrhundert hinein mochte sich das Wort Pudding in Deutschland nicht so recht etablieren, man sprach von Stärkemus, Sulz, Mehlbüdel, eine frühe Spezialität war der Große Hans (siehe Effilee #20) aus der Wasserbadkochform.

Der giftgrüne Kollege des Vanille-Puddings ist die Götterspeise, die es in den verschiedensten Farben und künstlichen Geschmacksrichtungen gibt, auch hier waren die Bielefelder früh prägend für ganze Generationen. Die Götterspeise ist auch unter dem Namen Wackelpeter bekannt, ein Hinweis auf ihr glibbernd glitzerndes Erzittern auf dem Teller und angeblich eine Namensschöpfung aus dem 19. Jahrhundert, als der Name Peter für allerlei scherzhafte Verballhornungen herhalten musste, der Hackepeter gehört auch dazu. Schon rein optisch auszuschließen ist eine Verwechselung der luziden Götterspeise mit der traditionellen westfälischen Götterspeise, einem himmlischen Schichtdessert aus Rotwein-Kirschen, Sahne und Pumpernickel. Der grüne Waldmeister-Glibberpudding, ganz klar ein Flammeri übrigens, gehört zur Familie der sogenannten Erfrischungsdesserts und ist ein echter Klassiker: Seit 1920 ist das Pulver zum Anrühren erhältlich. ­Apropos Pulver – so stark ist die emotionale Bindung der Deutschen an die süßen Päckchenklassiker aus Kindertagen, dass oft vergessen wird, wie leicht Vanille­pudding und Götterspeise selbst herzustellen sind. Gerade beim Vanillepudding lohnt die Heimwerkerversion, die zwar deutlich weniger gelb als der Kollege aus der Tüte daherkommt, dafür aber geschmacklich deutlich vanilliger und sahniger auf dem Löffel liegt. Bei der Götterspeise ist die Qualität des verwendeten Sirups entscheidend, der Spritzer Zitronensaft bringt eine schöne Frische in den köstlichen Glibber. Und beim genüsslichen Löffeln der kühlen Speisen ist festzustellen, dass es plötzlich total egal ist, ob das jetzt Pudding oder Flammeri heißt.

Rezept für Vanille-Flammeri

Götterspeise Waldmeister

Zur Waldmeister-Götterspeise passt geschlagene, leicht gesüßte Sahne oder Vanillesauce besonders gut, aber auch leicht gesüßte Milch bzw. Kondensmilch.

Tipp: Zur Waldmeister-Götterspeise passt geschlagene, leicht gesüßte Sahne oder Vanillesauce besonders gut, aber auch leicht gesüßte Milch bzw. Kondensmilch.

  • 6 Blatt Gelatine
  • 250 ml Waldmeistersirup
  • 50 g Zucker
  • 2 EL Zitronensaft
  1. Gelatine 10 Minuten in kaltem Wasser einweichen. Waldmeistersirup mit 200 ml Wasser, Zucker und Zitronensaft in einem Topf erwärmen, die trocken ausgedrückte Gelatine und den Zucker unter Rühren darin restlos auflösen.
  2. Die Masse in kalt ausgespülte Portionsförmchen gießen und ca. 4–6 Stunden im Kühlschrank erstarren lassen.
  3. Zum Servieren die Förmchen kurz in heißes Wasser tauchen, an den Rändern lösen und aus der Form auf Teller stürzen.
  • Foto: Andrea Thode

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