Champagne Brut Qualité Supérieure ›1911‹

André Clouet
Bouzy, Champagne, Frankreich

 

Wer ihn trinkt, weiß es ohnehin: Champagner passt immer, vorausgesetzt, er ist gut. Richtig gut, ja sogar richtig großartig, vielleicht sogar einer der Aller­feinsten, ist der Brut Qualité ­Supérieure ›1911‹ von André Clouet. Auch wenn
er nicht so aussieht: Er trägt die häss­lichste und nervigste Aluminiummanschette aller Zeiten, die abzuknibbeln echt Aufwand ist – aber der lohnt sich.
Das Zeug, Pinot Noir aus den Jahrgängen 1995, 1996 und 1997, ist funkelnd Gold. Es zeigt ein reifes, weiniges Bouquet, das mich auf Anhieb begeistert. Es ist reichhaltig und fein zugleich, zeigt Aromen von allerlei Äpfeln in allerlei Zuständen (reife, gekochte, getrocknete und oxidierte), dazu Quitten, Rosinen, getrocknetes gelbes Steinobst, Hefe und Pilze. Es wirkt faszinierend feinwürzig-oxidativ und ist knochentrocken, nicht so fruchtberauscht. Fast wie eine Mischung aus weißem Port und gereiftem Riesling!
Durch den Gaumen geht er leichtfüßig und doch kraftvoll, wirkt pur und geradlinig, beeindruckt mit fester Säurestruktur und einem nachhaltigen, sehr vielschichtigen, absolut trockenen Geschmack, den der Schaum elegant umhüllt. Und das alles zu einem fast schon sensationellen Preis – zumal es davon nur 1911 Flaschen gibt, um auch noch das letzte Geheimnis dieses Champagners zu lüften. Nein, es gibt nur noch 1909 Flaschen, denn die elfte mache ich gerade leer. Und die zehnte habe ich auch schon eingekühlt.

Kaufbar: 59 Euro bei gute-weine.de

Text: Stephan Reinhardt
Aus Effilee #16, Mai/Jun 2011
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