2008 DIXIT, Saint-Émilion Grand Cru

Château Vieux Pourret
Saint-Emilion, Frankreich

 

Der Preis für eine Kiste Premier Cru aus Bordeaux hat mittlerweile den eines Kleinwagens überschritten und es gibt wirklich keinen Grund, dieses Spiel weiter mitzufinanzieren. Trotzdem gibt es abseits der ­großen Namen kleine Qualitätsoasen im Bordeaux, an denen man gern zur Tränke geht. Eine davon steht in Saint-Émilion und heißt Château Vieux Pourret. Michel Tardieu und Olivier Dauga sind verantwortlich für diesen außergewöhnlichen Grand Cru. Der wächst vis-à-vis vom Saint-Émilion-Giganten Tertre Roteboeuf in einer Kessellage. In südwestlicher Ausrichtung reift hier der Merlot, der diesen Grand Cru zu 85 Prozent in Beschlag nimmt, Cabernet Franc vervollständigt die Cuvée.
Dunkle Früch­te, Beeren und Granatapfel, gepaart mit etwas Nelke und Macis prägen die Nase. Am Gaumen lauert die Überraschung: Seidig-elegant und äußerst trinkig labt die Quelle den Durstigen. Bordeaux im burgundischen Gewand. Eine stramme, nervige Säure und ein kleines, feines Tannin, gepaart mit diesem einzigartigen Kalkstein-Finish zeigen eindeutig in eine Richtung, die gegen den Trend noch höherer Extrakte, noch höherer Alkoholwerte und damit noch höherer Parker-Punkte zielt.
Die Fässer für den Ausbau dieses Grand Crus sind genau wie an der Rhône Burgunderfässer. Warum ist da eigentlich vorher niemand drauf gekommen? Und ist das das ganze Geheimnis? Das sind die Fragen, die ich mir stelle während ich den Rest meiner Lamm-Tajine mit etwas ­Fladenbrot aufwische.

Kaufbar: 39,95 Euro bei gute-weine.de

Text: Sebastian Bordthäuser
Aus Effilee #16, Mai/Jun 2011
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