Quinta do Outeiro 2009

Casa de Mouraz
Dào, Portugal

 

Sara Dionísio war Lehrerin für modernen Tanz in Lissabon, ihr Mann António Lopes Jurist und Journalist. Als Lopes für ein Kunstmagazin über modernen Tanz recherchierte, lernten sich die beiden kennen. Heute gehören sie zu den ganz wenigen Winzern in Portugal, die ihre Weinberge biologisch-dynamisch bewirtschaften. Vielleicht braucht man solch verschlungene Lebenswege, um einen eigenen Weg gehen zu können, ohne dabei seine Wurzeln zu vergessen.
Wir stehen auf einem monströsen, fast kugelrunden Granitfelsen, der aussieht, als sei er gerade aus dem All gefallen. Ringsherum schießen junge Eukalyptusbäume wie Pfeile aus dem Boden. Die letzten Waldbrände haben schwarze Lücken in das bergige, unwirtliche Land geschlagen. Pinienwälder flankieren Weinberge im Miniaturformat. Wir sind im Dào, einer mit etwa 20 000 Hektar Reben bestockten Weinregion im nördlichen Zentrum Portugals, deren Rotweine zu den besten des Landes gehören. Doch diesmal trinke ich weiß.
»Der Gedanke, Weine biologisch zu erzeugen, ist vielen Winzern hier noch fremd«, sagt Dionísio und schenkt mir ihren 2009er Casa de Mouraz in den Kelch. Eine feenhaft mineralische Cuvée aus den heimischen Sorten Malvasia Fina, Cerceal-Branco, Encruzado und Bical. Doch die Varie­täten, sagt mir Dionísio, müsse ich mir nicht merken. Dass der Wein seinen unverwechselbar steinig-frischen Geschmack dieser kargen Granitlandschaft zu verdanken hat, kann ich indes nicht übersehen. Rund 13,5 Umdrehungen hat er, und kommt doch so tänzerisch daher, dass William Forsythe seine Freude hätte.

Kaufbar: 7,95 Euro bei www.genuss7.de

Text: Axel Biesler
Aus Effilee #16, Mai/Jun 2011
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