Silvaner 2015, Weingut Andreas Grimm, Pfalz, Deutschland

Axel Biesler im Oktober 2016: Ein Liter-Wein, der aufräumt – auch mit Vorurteilen

 

Dieser Wein räumt mit ein paar handfesten Vorurteilen auf und schmeckt dabei auch noch ausgesprochen gut: Der gute alte Liter-Wein galt in vergangenen Zeiten ja mal als so eine Art Visitenkarte eines Weinguts, wenn darin die solide Basis herauszuschmecken war und für ein paar bescheidene Taler über die Theke ging. Heute heißt der gar nicht selten Gutswein, kostet oftmals gar nicht wenig und in der Flasche fehlt dann glatt auch noch ein ganzes Viertel. Nicht, weil das eine ziemliche Frechheit sein kann, sondern, weil der 37-jährige Andreas Grimm nur eine kleine Fläche mit Silvaner in der Süd-Pfalz bestockt hat, mit der er so recht nichts anderes anzufangen weiß, füllt er ihn in grüne Literflaschen. Die schmücken dann nicht nur ein hübsches Etikett, sondern haben einen schmackhaften Trunk zum Inhalt: saftig, dezente Süße, schnörkellos. Grimms Silvaner-Reben haben rund 30 Jahre auf dem Buckel und wachsen auf kalkreichen Böden. Silvaner, und damit kommen wir zum vorletzten Vorurteil, hat in der Pfalz heute keine große Bedeutung mehr, was auch ein Grund dafür sein mag, dass Grimm ihn in die Literflasche füllt. Das ist einerseits natürlich bedauerlich, andererseits aber auch für den Zecher erfreulich, denn der Winzer verkauft den Wein deutlich unter Wert. Womit wir beim letzten Vorurteil wären, nachdem ein Wein unter 5 Euro keinen Genuss bieten könne. Grimms Silvaner hält dagegen. Und wie.

Ein Liter-Wein, der aufräumt – auch mit Vorurteilen
Aus Effilee #38, Herbst 2016
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