Schinkenbodder mit Geheimnis


Meine Oma roch im Sommer nach Äpfeln und im ­Winter nach Bratäpfeln. Sie war immer dunkel gekleidet und sammelte die frisch geernteten Äpfel in ihrer Schürze. Der Apfel­­garten war riesig. Die ersten Äpfel im Jahr waren die August­äpfel. Weil man sie nicht lange lagern kann, hat Oma dar­aus Abbel­klütschen gemacht, Klößchen aus sehr fein ge­würfelten ­Äpfeln, die mit Zimtzucker und Butter gegessen wurden.

Mit dem Messer, sie schärfte es auf der ersten Sandsteinstufe der Keller­treppe, war sie virtuos – bis zum Schluss, als sie schon fast blind war. Sie hat viele Reimspiele mit uns Kindern gespielt, so wie dieses:

Ik drief min Swin no’n Holde
Denn drief ik mine mit
Wenn mine aber wedderkamt un dine blievt dor buten
Wo wudd se söken
Ünnern Böken
Wo wudd se finnen
Ünnern Linnen
Roa mal woveel sünd da binnen!

Aber das Beste war ihr Schinkenbodder. Ein Butterbrot mit Schinken, bei dem das Geheimnis war, mit dem Schinken­messer zwischendurch immer wieder in eine Zwiebel zu schneiden. Der Schinken durfte jedes Jahr erst dann angeschnitten werden, wenn der Kuckuck gerufen hatte.

Schinkenbodder mit Geheimnis

Rezept von Oma Marie Margarete, geboren 1885
  • 1 Scheibe Brot
  • gute Butter
  • Zwiebel für das Messer
  • Räucherschinken, fein gewürfelt oder in Scheiben geschnitten
  • Brot leicht rösten und wieder abkühlen lassen, dick mit Butter bestreichen. Mit dem Messer in eine Zwiebel schneiden, bevor man den Schinken schneidet und das Brot damit belegt.

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Aus Effilee #57, Sommer 2021
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