Mraz und Sohn

Hinrich Sudeck im März 2019: Der Spaß des Kochs wird hier zum Vergnügen des Gastes

 

Sowohl das modern-helle, angenehme Interieur des kleinen Ecklokals als auch das Essen hätten kein spannenderer Kontrast zum Steirereck am Vorabend sein können bei identischem Wohlfühlfaktor und gleicher Qualität des einzigen hier angebotenen Menüs. Lukas Mraz stellt in seinem etwa elfgängigen Menu jeweils wenige Produkte in den Mittelpunkt und präsentiert diese ästhetisch und geschmacklich klar, eindeutig und markant: Von angeräucherten Platten schleckt man Kaviarkörner mit Rahm, dann soll eine Art Puffer mit geröstetem Lauch in grüne Mayonnaise gedippt werden, die im Inneren einer Lauchstange serviert wird, wodurch der Gang auch optisch sensationell ist. Eine weiße Pizza mit Mont d’Or und Mozzarella wird frisch getrüffelt, ist aber etwas zu weich und sättigend. Rosenkohlblätter mit gehackter Auster und Zitrus bilden ein Ceviche und Sellerienudeln liegen auf Sesampaste, Sepia kommt in Sauerkrautjus. Rohe Jakobsmuschel (für mich wie immer nicht so spannend) war mit kleinsten Zitrussegmenten kombiniert. Hier übertönten sie den eher feinen Muschelgeschmack ein bisschen. Der Preis für den puristischsten Fleischgang des Jahres wird sicher an L. Mraz gehen: Ein daumengroßes, superzartes und aromatisches Stück Rehrücken wird allein mit etwas fruchtiger Rote-Bete-Jus serviert; danach macht man sich einen asiatisch gewürzten Taco aus Rehbauch selbst, was eine der sympathischen und spielerischen kleinen Gesten an diesem Abend ist und einen genauso froh stimmt wie der Käsewagen, der perfekte Sommelier und die gesamte Servicemannschaft.

Der Spaß des Kochs wird hier zum Vergnügen des Gastes
Mraz und Sohn
Wallensteinstraße 59
1200 Wien
Österreich
mraz-sohn.at
Aus Effilee #48, Frühjahr 2019
«
»

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.