Monsoon Valley 2010

Ein Wein namens Monsoon Valley? Ein giftgrüner Schlangenkopf auf dem Etikett? Ausgerechnet Naga, jene Figur, die in Thailand den großen […]

Foto: Andrea Thode
Die schwimmenden Weingärten durchfährt man mit Booten statt mit Traktoren

Ein Wein namens Monsoon Valley? Ein giftgrüner Schlangenkopf auf dem Etikett? Ausgerechnet Naga, jene Figur, die in Thailand den großen Regen bringt? Das klingt alles nach dem typischen Souvenir, das man um die halbe Welt schleppt und zu Hause in gemütlicher Runde öffnet, um sich dann bei seinen enttäuschten Gästen zu entschuldigen: »Im Urlaub hat der Wein wunderbar geschmeckt!«

Bei diesem Tropfen hätte man sogar noch eine zusätzliche Ausrede parat: New Latitude Wine steht auf der Rückseite, Wein aus neuen Breitengraden also, erzeugt außerhalb der klassischen Rebenregionen zwischen dem 30. und dem 50. Breitengrad nördlich oder südlich des Äquators. Die Monsoon-Valley-Reben der Siam Winery wachsen ungefähr auf dem 13. Breitengrad. Kein Weingut der Welt liegt näher am Äquator.

Doch gleich beim ersten Schluck sind alle Vorurteile vergessen – der Wein schmeckt auch zu Hause gut. Und geht es um Thai-Küche, muss man lange suchen, um einen Tropfen zu finden, der besser zu einem scharfen Som Dam Papayasalat passt. Die delikate Säure des Weißweins aus der Colombard-Traube harmoniert wunderbar mit der unverzichtbaren Limettenwürze. Exotische Fruchtnoten gehören auch zur Charakteristik des Colombard, einer aus Frankreich stammenden Traube, die im Geschmack dem Sauvignon Blanc ähnelt.

Die verantwortliche Weinmacherin residiert in Samut Sakorn, 60 Kilometer südwestlich von Bangkok. Der Weg führt durch das schier unendliche Häusermeer nach Südwesten. Die angekündigte Stunde Fahrzeit ist fast vorbei und von den schwimmenden Weingärten im Chao-Phraya-Delta noch keine Spur. Doch dann geht es bei Samut Sakorn in eine Seitenstraße und die Szenerie ändert sich völlig. Hier wächst alles, was auf Thailands Märkten angeboten wird: Drachenfrüchte, Mangos, Orangen, Bananen, Kokosnüsse – und Wein.

Das moderne Gebäude des Weinguts könnte auch in Europa stehen, wären da nicht das stilisierte Pagodendach über dem Eingang und das typische Geisterhäuschen an den schwimmenden Weingärten. Die schwimmen natürlich nicht wirklich: Die Rebenreihen sind von breiten Wasserkanälen getrennt, auf denen flache Boote den Traktor als Transportmittel ersetzen. Elegant balancieren thailändische Winzerinnen über schmale Bambusstege, die als Brücken dienen. Sie prüfen jede einzelne der unter der grünen Pergola reifenden Weinbeeren, denn an einer Rebe können sich Trauben unterschiedlichen Reifegrades befinden.

Die deutsche Weinmacherin Kathrin Puff erklärt den Besuchern geduldig, wie sie mit ihrem Team den Reifeprozess überwacht und steuert. Die 32-jährige Krefelderin hat im Rheingau Weinbau studiert und weltweit Erfahrung gesammelt, bevor sie in der Siam Winery anheuerte. Hier ist alles anders. Statt der gewohnten vier Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter bestimmt der Monsun den Rhythmus der Reben. Eigentlich wären jährlich zwei Ernten möglich, aber »wir lesen die Trauben für unsere Estate-Weine nur einmal, um die Reben nicht so zu stressen«, erklärt die Önologin.

Die Reben haben in diesen Breiten nur eine Lebenserwartung von etwa 15 Jahren. Ende Oktober, zu Beginn der Trockenzeit, erfolgt der Rebschnitt, im Februar beginnt die Lese. Den richtigen Zeitpunkt zu erwischen, erfordert viel Erfahrung. Trotz tropischer Temperaturen von oft mehr als 40 Grad ist die Lichtintensität wesentlich geringer als in Europa. Hinzu kommt eine extrem hohe Luftfeuchtigkeit.
Bis 1999 gab es hier nur Tafeltrauben, jetzt baut die Önologin alle möglichen Rebsorten aus, bis hin zum Dornfelder, dessen erste Ernte derzeit im Holzfass reift. Der weiße Colombard, eine uralte französische Traube, hat bei internationalen Vergleichsproben in Singapur, Tokio oder Hongkong schon viele Medaillen eingeheimst.

»Mir ist die Alte Welt zu eng geworden«, sagt Puff. Sie kann hier nach Herzenslust experimentieren, denn ein Weingesetz gibt es in Thailand nicht: Sie allein bestimmt den Wachstumszyklus der Reben, wann die Trauben geerntet werden, ob bewässert wird oder gespritzt, was in diesen Breiten oft unvermeidlich ist. Alles ist bis ins Detail ausgetüftelt. So verwendet sie beispielsweise keine Barriques, sondern größere Eichenfässer. »Barriques sind zu klein für die hiesigen Verhältnisse, die würden zu viel Holzeinfluss in den Wein bringen«, erklärt Puff.

Mit den kulturellen Eigenheiten der Thais hat sie sich seit ihrem Start im Dezember 2007 arrangiert. »Mit einheimischen Mitarbeitern Probleme zu lösen, ist unglaublich schwierig«, sagt Puff, »denn Thais sind sehr konfliktscheu.« Jemandem einen Fehler vorzuwerfen, bedeutet Gesichtsverlust für den Gescholtenen. Da wird das Problem lieber vertuscht, was dann viel schlimmere Folgen haben kann.

Gegründet wurde die Siam Winery 1986 von dem thailändischen Milliardär Chalerm Yoovidhya, dessen Familie Mehrheitseigner von Red Bull ist. Eine große Passion von Khun Chalerm ist es, seinen Landsleuten die Weinkultur näherzubringen. Siam Winery ist mit rund 250 000 Flaschen pro Jahr die Nummer eins in Thailand.

Die Monsoon-Valley-Trauben wachsen überwiegend im Hua Hin Hills Vineyard auf dem Grundstück eines ehemaligen Elefanten-Trainingscamps. Von dem Badeort Hua Hin südlich von Bangkok ist es nur ein Katzensprung zum Weingut. Die Besichtigungstour können Gäste auf dem Rücken eines Elefanten absolvieren.

Siam Winery
www.siamwinery.com

Text: Andreas Hohenester
Foto: Andrea Thode

aus Effilee #16 Mai/Juni 2011

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Aus Effilee #16, Mai/Jun 2011
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