Ishin Deli

Nils Schiffhauer im November 2018: Wenn du keine so strahlende Begleitung hast wie ich und dich nicht auf Gebärdensprache verstehst, wird’s hier in jeder Hinsicht eng

Dasch ja ’ne Packungsdichte, wie morgens auf der Marunouchi-Linie in Tokio! Schlange bis nach draußen, ihr Kopf züngelt in einen kantinenartigen Gastraum von brutaler Akustik. Maaaahlzeit! Ein typischer Grüntee – aller­dings im Beutel – als Gruß des ­Hauses neben die Lackboxen mit marinierten Ingwerscheiben gestellt. Wozu sich bald eine Misosuppe gesellt, der die tief-rauchige Note völlig abgeht. Ein paar Nigiri: Fisch auf Reis. Recht gut mit Tintenfisch (Ika), dieser typisch süßlich und zu einer angenehmen Textur gegart. Gegrillter Aal (Unagi), zwischen Osaka und Nagoya mein Imbissliebling, hier tranig, von seltsamer Struktur (auch zu dünn plus eindimensional fischigsüß) und, verzeiht, zwar essbar, doch an der Grenze zu wirklicher Genussbarkeit. Aus Neugierde Gunkan, in Noriblätter gewickelte Happen. Die Algenmatte zähklebrig an Zunge, am Gaumen. Zunächst mit eingelegtem Chinakohl nach koreanischer Art, pikant (Kimuchi), was sich als schlaffe Fassung des chiliprotzenden Originals entpuppte, offenbar auch nur sehr kurz fermentiert. Dann mit gehacktem Tintenfisch, angeblich scharf eingelegt; irgendwie fischig. Zudem alle Teile um genau jene Idee zu groß, sie schicklich in den Mund schieben zu können, aber zu kompakt zum Kauen ohne Hamsterbacken. Und bei mir passt was rein! Der angesagte Laden brummt, das Volk ist mehr als zufrieden. Manche ferne Geschmackserinnerung an Japan, aber ansonsten inmitten Europas; stärker noch: Berlin-Mitte.

Wenn du keine so strahlende Begleitung hast wie ich und dich nicht auf Gebärdensprache verstehst, wird’s hier in jeder Hinsicht eng
Ishin Deli
Mittelstraße 24
10117 Berlin
Deutschland
ishin.de
Aus Effilee #47, Winter 2018/2019
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