Mühltalhof

Stefan Chmielewski im November 2018: Ein Ausnahmeort mit Ausnahmeküche: köstlich, fordernd und zeitlos!

Philip Rachinger übernimmt die Küche des Familienbetriebs aus Hotel und Restaurant, wo er zuvor zusammen mit Vater Helmut stand. Er setzt beim ständig wechselnden Menü auf lokale und saisonale Zutaten und ungemein unverfälschte Zubereitung mit klarem Produktgeschmack. Gefühlt tausendmal probiert, hat sein Saibling mit Gurke Wow-Effekt durch Bittergurke und Minze. Nahezu ungesalzen pur danach einseitig gebratene, fast rohe Reinanke mit Blumenkohl, Mädesüß und Molke. Hier wird nicht am Anrichten mit Mittelchen gedoktert, gut sieht’s dennoch aus. Stattdessen natürliche Texturen und aromatische Klarheit. Wenn Rachinger Bachsaibling in einen austro-asiatischen Kontext setzt, liegt’s an Honigmelone, Hokkaidostücken und etwas Sojasauce, aus Wien. Rachinger ist gleichzeitig junger Wilder und kann Zwischentöne. Schafft den Spagat zwischen Wegschaufeln-Wollen und Sich-konzentrieren-Müssen wie beim Ochsenherz mit Zucchini und einer Rauchnote pikanter Chilis, wozu er diverse herbe, aromatische Kräuter und gegarte Zwiebel­elemente paart. Im Mühltalhof gibt es nur vier oder sechs Gänge, so verdienen sich Rehrücken und -schulter den Titel famoses Hauptgericht. Wie ein auseinandergezogener Marillenknödel das Finale: Eine perfekt reife Frucht besticht mit Heueis und karamellisierter Molke unsüß. Die Weinkarte mit spannendem Österreich-Best-of ist freundlichst kalkuliert, die Zimmer voller Design und Gemütlichkeit. Nach sensationell gutem Frühstück fällt der Abschied schwer.

Ein Ausnahmeort mit Ausnahmeküche: köstlich, fordernd und zeitlos!
Mühltalhof
Unternberg 6
A-4120 Neufelden
Österreich
muehltalhof.at
Aus Effilee #47, Winter 2018/2019
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