2015 Narince, Kayra, Tokat, Türkei

Ursula Heinzelmann im November 2018: Erfreut Käseherzen und stellt die Unvoreingenommenheit aller Weintrinker wunderbar auf die Probe

 

Ich weiß nicht, ob allein schon das kontinentale Klima mit sehr heißen Sommertagen und empfindlich kühlen Nächten die besondere Art des Narince erklärt, der bekanntesten weißen unter den unzähligen autochthonen türkischen Rebsorten. Zuerst tat ich ihn als ein wenig langweilig ab, doch seitdem ist er mir als einer der allerbesten Käsebegleiter ans Herz gewachsen. Unaufdringliche Lindenblüten und Schäl­nüsse, Kamille und Grapefruit, gänzlich unaggres­sive und doch selbstbewusste Säure, und eine ungeheure, in sich ruhende Gelassenheit – diese Kombination begegnet sowohl junger Milchigkeit als auch gereifter Umami­power und an Schärfe grenzenden Fettsäuren sehr ­souverän, kommt mit quarkig-­bröckelnd, reif-fließend und schiefrig-blätternd zurecht. Und, vollkommen unerwartet, der Wein reift ausgezeichnet. In einer dunklen Ecke meines Kellers fand sich eine Flasche 2014er, ich stellte sie ohne große Erwartungen kalt und öffnete sie ausgerechnet zu einem dichtsämigen, rotgeschmierten Rohmilchkäse aus Schleswig-Holstein … und holla die Käsefee!

Den Narince von Kayra gibt es für kleines Geld sowohl in den Meze-Restaurants und Meyhanes in Istanbul als auch bei einigen Onlinehändlern in Deutschland. Şerefe!

Erfreut Käseherzen und stellt die Unvoreingenommenheit aller Weintrinker wunderbar auf die Probe
8,90 Euro, gourient.de
Aus Effilee #47, Winter 2018/2019
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