HE Pinot Noir 2013, Hans Erich Dausch, Pfalz, Deutschland

Axel Biesler im März 2017: Fruchttag hin, Wurzeltag her: Der Wein schmeckt mir nicht

 

Ob Wurzel- oder Fruchttag, so will es kürzlich eine Studie zu Tage befördert haben: Letztendlich haben sogenannte Mondphasen überhaupt keinen Einfluss auf unseren Geschmack. Pech gehabt. Da heißt es, wieder selber schuften, des Glückes eigener Schmied, ungewiss sein. Am Ende kann halt keiner für uns. Also empfiehlt es sich, zwei extreme Launen zu konsultieren: erstens die gute und zweitens die schlechte. Die zweifelsfrei ausfindig zu machen, braucht es freilich ein paar Jahrzehnte Lebenserfahrung, sicher sollte man sich aber dennoch nie sein. Ich versuche nach rund fünf Jahrzehnten trotzdem einen zaghaften Versuch: Ich mag diesen Wein nicht. Er versucht sich an allem, was heutzutage mit dem deutschen Spätburgunder so möglich ist, doch scheitert genau daran immer wieder grandios. Glauben Sie mir, ich habe es ausprobiert. Himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Meine Laune ficht sein Geschmack niemals an. Diesem Spätburgunder wurde viel zu viel röstiges Holz angetan, seine schlanke Struktur hält dem überhaupt nicht stand, zerbricht an einer Kokos-Süßigkeit und verzehrt sich an einer bitteren Frucht, die er auch nach Tagen nicht abstreifen mag. Ich habe vergeblich darauf gewartet, dass dieser Kelch an mir vorübergeht. Nichts wollte Hafen anlegen an mir. Ich fühle mich verantwortlich für diesen Geschmack. Also bin ich. Aber nicht um jeden Preis.

Fruchttag hin, Wurzeltag her: Der Wein schmeckt mir nicht
ca. 90 Euro, www.weinart.de
Aus Effilee #40, Frühjahr 2017
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2 Anmerkungen zu “HE Pinot Noir 2013, Hans Erich Dausch, Pfalz, Deutschland

Lieber Herr Biesler
Ich scheinen beim Tasting des 13er HE Pinots einen schlechten Tag gehabt zu haben.
Ihre Eindrücke teile ich in keinster Weise. Den Wein habe ich erst kürzlich in einem Spitzenrestaurant getrunken, der sich offen und mit warmer Frucht präsentierte.
Entweder haben Sie den falschen Wein getrunken oder was man vermuten könnte, Sie wollen aus einem persönlichen Grund HE Dausch mit einem unseriösem Kommentar in die Breitseite schlagen.

Lieber Herr Hoffmann,
vielen Dank für Ihre Einschätzung! Es liegt mir selbstverständlich fern, Herrn Dausch in irgendeiner Art und Weise nahe zu treten. Wir beide haben lediglich mit einem Wein unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Das kommt oft vor – das darf es auch.
Beste Grüße, Axel Biesler

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