Brauerei Meister Zwickl-Bier hefetrüb

Text: Dirk Müller Foto: Andrea Thode Oberfranken besitzt mit zweihundertundeiner Brauereien die größte Brauereidichte der Welt, vierundsiebzig davon befinden sich in der Fränkischen Schweiz. Für einen großen Bierfan ist es hier also ein kleines Paradies. Meistens ist der Brauerei auch noch ein Restaurant angeschlossen, und so kann man herrlich in Biergärten herumlungern, fränkische Spezialitäten genießen und […]

Text: Dirk Müller Foto: Andrea Thode

Brauerei Meister, Zwickl-Bier hefetrüb
Brauerei Meister, Zwickl-Bier hefetrüb

Oberfranken besitzt mit zweihundertundeiner Brauereien die größte Brauereidichte der Welt, vierundsiebzig davon befinden sich in der Fränkischen Schweiz. Für einen großen Bierfan ist es hier also ein kleines Paradies. Meistens ist der Brauerei auch noch ein Restaurant angeschlossen, und so kann man herrlich in Biergärten herumlungern, fränkische Spezialitäten genießen und die unterschiedlichsten Biere dazu verkosten. Der beste Ort, um Urlaub zu machen, wenn es einem gelingt, die Kinder davon zu überzeugen. Aber da bin ich eigentlich ganz gut drin. Als wir in Brügge vor der Wahl Biermuseum oder Schokoladenmuseum standen konnte ich sie doch glatt dazu überreden, zuerst das Biermuseum aufzusuchen. Leider war nach unserem ausgiebigen Besuch dort das Schokoladenmuseum schon geschlossen. Sie sind von mir bereits einiges gewohnt. Ich erzählte ihnen also von den Vorzügen der Fränkischen Schweiz, wie gut man dort klettern und Rad fahren kann, von einer Sommerrodelbahn und Naturschwimmbädern, tollen lokalen Schokoladensorten und dachte dabei an Bier. Ich hatte die naheliegende Idee, mit den Kindern ein paar Fahrradtouren zu unternehmen und dabei Station bei der ein oder anderen kleinen Brauerei zu machen, um den Elektrolythaushalt wieder auszugleichen. Als Hamburger ist man dann aber doch immer wieder überrascht, wie lang und steil Berge sein können, erst recht wenn man sie mit dem Rad hochfährt und dabei seinen fünfjährigen Sohn schieben muss. Und Berge gibt es einige in der Fränkischen Schweiz, wahrscheinlich mehr als Brauereien. Spannend wurde es aber bergab, wenn mein Kleiner sein Zwanzig-Zoll-Rad auf vierzig Stundenkilometer beschleunigte und der Lenker bedenklich zu schlingern begann.

Nachdem wir noch gar nicht so viele Kilometer, dafür aber schon zwei anständige Berge hinter uns gebracht hatten, war ich daher extrem erleichtert, als am Ortsausgang von Unterzaunsbach die Brauerei Meister ins Bild kam, sehr unscheinbar an der Hauptstraße gelegen. Der Name klang schon mal vielversprechend, und im Biergarten gab es sogar eine kleine Spielplatzecke inklusive Schaukel. Allerdings waren die Kinder erst einmal so fix und fertig, dass sie davon nichts wissen wollten. Hinter dem Haus, neben dem Garten, fließt die Trubach, aus der auch die Forellen gefischt werden, die man als Forelle blau, geräuchert oder gebacken bestellen kann. Neben den Fischen aus heimischem Gewässer bietet die Speisekarte bodenständige fränkische Kost. An Sonntagen allerdings gibt es Braten und natürlich auch Schäuferle. Wir waren ja aber nicht wegen des Essens hier, die Kinder wollten sowieso nur Pommes frites. Ich plante, hier die Bierspezialitäten zu probieren. Zur Auswahl standen ein Vollbier und ein Zwickl. Ich entschied mich für das Zwickl, weil ich naturtrübe unfiltrierte Biere liebe. Sie sind so schön süffig, und süffig war genau das, was ich jetzt brauchte.
Auf den Tisch kam ein herrlich dunkelbernsteinfarbenes Bier. Ich könnte jetzt von Karamell­aromen, dem angenehmen Duft frischer Gräser, dem bitteren Oberton, den deutlichen Röstmalz-Spuren und dem milden, leicht süßen Geschmack schreiben, aber Bier muss ja vor allem laufen. An diesem Sommernachmittag konnte ich mir nichts Schöneres vorstellen, als mit meinen Kindern hier zu sitzen und dieses Bier zu trinken. Moderne Biere schmecken ja gern mal nach Mango oder nach Zitrusfrüchten und sind vor allem extrem hopfig. Mir ist das meistens zu anstrengend und außerdem bekomme ich davon Durst, was eigentlich das Schlimmste ist, was man einem Bier nachsagen kann. In Unterzaunsbach hat man eine sehr genaue Vorstellung, wie Bier schmecken muss. Immerhin besteht die Brauerei seit 1865. Verantwortlich für das Bier ist der Braumeister Georg Meister, der nun schon in sechster Generation Bier braut. Das Malz bezieht er von der Klostermalz Wirth GmbH in Frauen­aurach, der Hopfen kommt aus Spalt und der Hollertau.
Das Bier kann man in Kästen am Brauhaus kaufen. Man bezahlt es erst in der Wirtsstube und bekommt es dann hinten aus dem Kühlraum herausgereicht. Neben dem genannten Vollbier und dem Zwickl gibt es saisonal noch ein Festbier, dass nur im November und Dezember gebraut wird.
Ich geriet nun allerdings in eine kleine Zwick(l)mühle. Sollte ich versuchen, einen Kasten auf dem Fahrrad mit über die zwei Berge zu schleppen? Das hätte ich wahrscheinlich sogar geschafft, aber dann hätte ich meinen Sohn nicht mehr mit hochziehen können. Und obwohl man sich zu Hause über das leckere Bier sehr gefreut hätte, habe ich mich dann doch für meinen Sohn entschieden.
Mein Plan, sämtliche kleineren fränkischen Brauereien mit dem Rad zu besuchen, ging dann leider nicht auf. Die nächsten Tage verbrachten wir im Kletterwald und auf der Minigolfbahn. Auf der Rückfahrt nach Hamburg hielten wir aber noch einmal in Unterzaunsbach und so kam ich doch noch zu meinen Kasten. Und das Schöne daran ist, dass ich irgendwann zurückkommen muss, um mir mein Pfand abzuholen. 
Brauerei Meister
Unterzaunsbach 8
91362 Pretzfeld
www.meisterbräu.de

Meine Meinung …
Aus Effilee #28, Frühjahr 2014
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