Weinkritik: José Maria da Fonseca, José de Sousa Mayor 2012, Alentejo, Portugal


Amphorenweine, sind sie nun Trend oder Tradition? Viele Weingüter experimentieren mit dem tönernen Gebinde und können mit neuen Geschmacksprofilen überraschen. Die Diskussion kapriziert sich meist auf das Friaul und Georgien. Dabei werden in Alentejo seit der Römerzeit bis heute ununterbrochen Weine in Amphoren, dort Talhas genannt, ausgebaut.
Mayor wird in Talhas ausgebaut. Die Hälfte der Trauben kommt mit Stielen oben rein, Vergärung abwarten, noch zwei Wochen auf den Schalen mazerieren lassen und danach durch die nach unten gesunkenen Stiele und Schalen filtern. Die andere Hälfte wird mit Füßen im Lager getreten und dann in offenen Bütten vergoren. Vor der Füllung kommen beide Partien zur Vermählung neun Monate in neue französische Eiche. Gewachsen auf Granit, ist der Mayor eine Cuvée aus Grand Noir, Trincadeira und Aragonez. Sattes Purpurrot mit violetten Reflexen und schwarzem Kern, in der Nase pfeffrig würzig mit Aromen nach Tabak, Terrakotta, Datteln, Nelken und Amarenakirschen. Am Gaumen beschert ihm der Ausbau in der Amphore eine kühle Haptik, die hochflorigen und vollreifen Tannine sind seidig und gut verwoben. Dazu kommt ein äußerst animierender Säurebogen, der dem Wein aus einer der heißesten Gegenden Europas Frische und sensationellen Trinkfluss beschert. Da kann man schon mal eine gebratene Sar-dine auf die Stulle legen.

4

Alentejo mit Frische und Verve aus der Amphore

ca. 20 Euro
José Maria da Fonseca

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