Weinkritik: Schloss Schönborn, Hochheimer Domdechaney Erstes Gewächs 2014, Rheingau, Deutschland

Sein volles Potenzial wird er wohl erst in zehn Jahren offenbaren, darauf warte ich aber gerne

 

Als ich Florian Franke vor gut einem Jahr traf, hatte er erst vor Kurzem eine der heißesten Stellen im deutschen Weinbau angetreten. Er ist Kellermeister und Außenbetriebsleiter auf Schloss Schönborn, jenem Weingut, das 2013 durch einen der größten Weinskandale in der Geschichte des deutschen Weinbaus in den Schlag-zeilen gelandet war. Franke sieht darin eine große Chance. Er kann letztendlich alles nur besser machen. Den frischen Wind merkte man der Fassprobe des 2014er Rieslings aus der Hochheimer Lage Domdechaney an. Die fordernde Salzzitronen-aromatik und Unaufdringlichkeit im Glas, all das erinnerte eher an Frankreich als an den Rheingau. Franke vergor den Wein im Barrique und ließ ihn dort zehn Monate auf der Hefe reifen. Für Riesling immer noch ungewöhnlich, manch einer behauptet sogar, die Typizität leide darunter. Da sei die Frage erlaubt, was besser ist: ein schlechter, typischer Rheingauriesling oder ein guter, untypischer Rheingauriesling. Ich bevorzuge Letzteres. Die Aromatik bewegt sich zwischen Kumquat, reifen Aprikosen, Marshmallows und Marsala-Curry, am Gaumen packt zunächst die leichte Zitronenschalenbitterkeit zu, bis eine angenehme Cremigkeit übernimmt und der Wein auf leisen Röstnoten, Salzzitrone und Kurkuma endet.

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Sein volles Potenzial wird er wohl erst in zehn Jahren offenbaren, darauf warte ich aber gerne

23,50 Euro bei www.schoenborn.de
Schloss Schönborn

Aus Effilee #36, Frühjahr 2016
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