Weinkritik: Domaine Belluard, Les Perles du Mont Blanc 2011, Ayse/Savoie, Frankreich

So schwerelos gleite ich gerne über die Hänge des Mont Blanc …

 


Meine erste Begegnung mit dem Mont Blanc war eine ausgesprochen unglückliche: Bei einer Klassenfahrt stellte man mich in Chamonix auf die Bretter, die angeblich die Welt bedeuten. Umgehend wurde klar: Meine Welt ist eine andere. Doch 38 Jahre später meldete der Berg sich zurück. Mit wunderbar schäumendem Wein. Die Schönheit dieser Gebirgslandschaft und die Frische der Höhenluft kamen nun in anderer Form daher, und während es mir damals auf den unsicheren Brettern nie gelungen war, zum wedelnden Schwung anzusetzen, fühlte ich mich jetzt rundum wohl.
Zugegeben, der große weiße Berg hielt in diesem Fall Abstand und schickte seinen kleinen Bruder Môle vor, der nicht halb so hoch ist und eine gute halbe Autostunde in Richtung Genf liegt. An dessen moränengeprägten Hängen wachsen auf etwa 450 Meter die Reben, aus deren Trauben Dominique Belluard diesen superfeinen, kristallinen Bubbly macht. Die Appellation ist Ayse, die Rebsorte ist Gringet, weiß, autochthon und rar; insgesamt gibt es nur 22 Hektar, von denen zehn seit 1988 Belluard gehören. Das Weingut wird seit 2001 mit großer Hingabe biodynamisch geführt. Die Perles liegen lange auf der Hefe: Aktuell gibt es den Jahrgang 2011. Finesse, Mineralik, etwas Florales und ein Hauch von gelben Steinfruchtnoten – das elegante, superfeinperlige Gegenteil von wuchtbrummiger Angeberei.

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So schwerelos gleite ich gerne über die Hänge des Mont Blanc …

15.9 Euro

Aus Effilee #36, Frühjahr 2016
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