Weinkritik: Champagne Coessens, Brut Nature Largillier 2010, Champagne, Frankreich

Ein großes Kunstwerk in einer Auflage von 2000 Flaschen

 

Gut, wenn man sich beim Geschmack überraschen lassen kann. Selbstverständlich ist das nicht, schon gar nicht beim Champagner, wenn der Klang des Namens oft für den größten Teil der Sensation am Gaumen verantwortlich ist. Weil die Champagne seit jeher dafür Sorge trägt, dass einzig der Schaumwein aus ihrer Region auch so heißen darf, ist sie im Besitz eines Alleinstellungsmerkmals mit garantiertem Luxuserlebnis. Mit gutem Geschmack muss das aber nicht immer einhergehen. Da gibt es zum Glück Jérôme Coessens, der seinen Job als Außenbetriebsleiter eines großen Champagnerhauses vor ein paar Jahren an den Nagel gehängt hat, um seine eigene Champagner-Philosophie um-zusetzen, weil seine Familie im Besitz einiger vorzüglicher Parzellen ist. Ihre beste heißt Largillier, besteht aus einem kargen Kalkschotter-Lehm-Gemisch und ist ausschließlich mit Pinot Noir bepflanzt. So besteht auch der 2010 Brut Nature ausschließlich aus Pinot Noir und ist ein außerordentlich ausdrucksstarker Vertreter seines Jahrgangs, weil er es schafft, fast ganz ohne Zucker daherzukommen und gleichzeitig bei gerade mal zwölf Prozent Alkohol enorm brillant und strukturiert zu schmecken. Brut Nature, also der Verzicht auf die Zugabe einer Süßreserve vor der Füllung, ist eine große Kunst.

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Ein großes Kunstwerk in einer Auflage von 2000 Flaschen

44 Euro bei www.koelner-weinkeller.de
Champagne Coessens

Aus Effilee #36, Frühjahr 2016
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