Weinkritik: Homonna, Tokaji Furmint-Harslevelü 2012, Tokaj, Ungarn

Ein Wein, dem man sich mit der Karaffe und Geduld annähern muss. Faszinierend komplex

 

Wer trinkt denn noch edelsüße Tokajer zum Dessert? Hierzulande fast niemand. Und wer kennt trockene Weißweine von dort? Noch weniger! Aber in der Cordobar in Berlin wurde ich fündig, wohl weil Mitgründer und Sommelier Gerhard Retter eine Vorliebe für Tokajer von Süßwein-legende Szepsy hegt. In Tokaj gibt es ob des sinkenden Interesses an edelsüßen Weinen einen Trend zu trockenem Weißwein. Der ist aber nicht verzweifelter Ausbruch aus der Tradition, sondern hat es in sich. Denn aus der Furminttraube können hochspannende Weißweine erzeugt werden. Die sind nichts für Rieslingtrinker, denn sie fallen prägnant rustikal und kräftig aus, besitzen weniger Säure und ausgeprägte Apfelmostnoten. Attila Homonna zählt zu den führenden Betrieben, auch wenn er weniger als fünf Hektar bewirtschaftet. Seine spontan vergorene Cuvée aus Furmint und Lindenblättriger kann leider weniger als 1000 Leute bekehren, gibt es doch kaum Flaschen. Sie hilft aber, die Zahl an Liebhabern stückchenweise zu steigern. Der Wein leuchtet zart hellgold und schreit nach Luft. Dann kommen viel grüner Apfel, etwas weiße Blüten, Quitte und Quark zum Vorschein. Am Gaumen triumphiert die wuchtige Struktur; Äpfel, Birnen und Limetten begleiten, auch reife Nektarinen. Nicht nur das Tokaj scheint aufgewacht, auch der Verkoster!

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Ein Wein, dem man sich mit der Karaffe und Geduld annähern muss. Faszinierend komplex

29.9 Euro bei www.weinhalle.de

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