Vej Brut 2012, Podere Pradarolo, Emilia-Romagna, Italien

Dominik Vombach im September 2016: Unkonventioneller, maische-vergorener Schäumer. Liebt Röstaromen und deftige Speisen an seiner Seite

 

Orange-Weine, also Weißweine mit prägnanter Tanninstruktur zu erzeugen, war bis vor ein paar Jahren etwas für die Avantgarde unter den Winzern. Hinter vorgehaltener Hand wurden die Maischevergärer auch gerne mal als Spinner bezeichnet. Heute hat fast jedes Weingut solche Weine im Angebot. Alberto Carretti, der Weinmacher von Podere Pradarolo, geht noch einen Schritt weiter: Er macht einen Orange-Schaumwein. Basis sind Malvasia-Trauben, die spontan auf der Maische vergoren werden und dort 60 Tage bleiben. Die hocharomatischen, zum Kitschigen tendierenden Sorten wie Malvasia oder Muskateller profitieren von diesem Prozess – werden gemäßigt und ruhiger. Außerdem führen die extrahierten Gerbstoffe zu deutlich mehr Struktur, also einem völlig anderen Mundgefühl. Der Vej Brut verbringt anschließend 18 Monate mit Hefe auf der Flasche, bevor er degorgiert und für den Verkauf verkorkt wird. Carretti tüftelte über zehn Jahre am Prozess, bevor er mit seinem Orange-Schaumwein zufrieden war. Der Jahrgang 2012 duftet intensiv nach Studentenfutter und kandierter Orange, dazu etwas Wermut und getrocknete Rosenblätter. Die Gerbstoffe sind genau so, wie sie sein sollen, nämlich gut eingebunden, von Schmelz umhüllt, damit nichts Nerviges, sondern Struktur entsteht. Und die Perlage? Die macht das Ganze frisch und lebendig, etwas, das manch anderem Orange-Wein fehlt.

Unkonventioneller, maische-vergorener Schäumer. Liebt Röstaromen und deftige Speisen an seiner Seite
Aus Effilee #38, Herbst 2016
«
»

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.