Sancerre Charlouise 2010

Vincent Pinard
Loire, Frankreich

 

Dass ein Sancerre nicht notwendigerweise weiß sein muss, auch wenn wir das der Einfachheit halber gerne so hätten, sei hier nochmals ausdrücklich gesagt. In der zentralfranzösischen Region am linken Loire-Ufer, in der einer der besten Weißweine der Welt wächst, Sancerre eben, wird auch Pinot Noir kultiviert, und ich kann mir außerhalb des Burgunds kaum eine andere Region vorstellen, wo er besser hinpasst. Kalkreiche Böden mag der Pinot, und ein nicht zu heißes Klima ist für seine Wesensarten eine Grundvoraussetzung: Frische, Eleganz und Finesse.
Kommt ein eher kühles Jahr wie 2010 dazu, erzeugen auch einige Loire-Winzer Weltklasse-Rotweine. Zum Beispiel die Domaine Vincent Pinard in Bué. Gerade gestern hat mich der rote Charlouise in den Bann gezogen, ein tiefer, komplexer, kraftvoller und dabei packend frischer und nachhaltiger Pinot Noir von fünfzigjährigen Reben. Sein Bouquet ist weiblich, ungemein floral und delikat, mit Noten von Veilchen, Cassis und roten Waldbeeren. Verführerisch eben. Und dann packt er zu: Kraftvoll, aber mit Stil und Finesse lässt es vibrieren am seidig ausgekleideten Gaumen, zeigt, was ein echter thrill ist beim Wein, und dass ein großer Rotwein eben beides kann: Kraft und Finesse vereinen und das in einer frischen, kitzelnden Art, dass es die reine Trinkfreude ist. Aber auf höchstem Niveau natürlich. Dass es diesen Wein in Deutschland überhaupt gibt, ist übrigens nicht minder sensationell.

Text: Stephan Reinhardt

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Aus Effilee #30, Herbst 2014
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