Riesling trocken 2012

Weingut Vols
Mosel, Deutschland

 

Helmut Plunien war lange Zeit Weingutsdirektor im fränkischen Bürger­spital, doch seine Heimat sind die steilen Schieferlagen an der Saar, an die es den studierten Önologen nun auch ­wieder zurückgezogen hat. Das elterliche Weingut in Wiltingen vergrößerte er von knapp zwei auf sieben Hektar Rebfläche mit bis zu neunzigjährigen, wurzelechten Anlagen. Plunien lässt sich nicht lumpen: Wer es schafft, seine große Lagen­weine fünfundzwanzig Jahre im Keller zu verschließen, bekommt nach Abschluss des Vierteljahrhunderts eine Neuverkorkung samt Expertise spendiert. In der Zwischenzeit kann man sich an seinen Gutsweinen gütlich tun, denn die sind 2012 nicht nur außerordentlich delikat geraten, sondern verlangen dem durstigen Zecher auch nicht allzu viel Geduld ab. Selbst seine Einstiegs­droge, der trockene Saar-Riesling, bereitet Trinkvergnügen und erfüllt die Erwartungen derjenigen, die Saar-Rieslinge mit Rasse im Kelch verknüpfen. Mickrige elf Komma fünf Umdrehungen wirft er auf die Waage und ist dabei doch so nachhaltig schmackhaft, dass es die reinste Freude ist. Bei seinen Gutsweinen verzichtet Plunien auf die Erwähnung des Weinbergs auf dem Etikett, deshalb sei hier darüber informiert, dass die Trauben von bis zu vierzigjährigen Reben der Schieferlage Scheidterberg stammen. Alte Reben könnte er also auch noch hinzufügen, aber dafür ist Plunien viel zu bescheiden.

Text: Axel Biesler
Aus Effilee #25, Sommer 2013
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