Restaurant Kommod

Hinrich Sudeck im März 2019: Intim, persönlich, gemütlich – und was für Sellerie!

Die Strozzigasse hat sich ein bisschen den typischen josephinischen Charakter der Zeit um 1770 erhalten; einst war in der Nr. 40 eine Bäckerei, heute ist hier dieses holzgetäfelte, kleine, intime und außerordentlich gemütliche Restaurant, das von den beiden Inhabern allein betrieben wird. Dies bringt einen, so man will, sofort in persönlichen und anregenden Kontakt. Ein Grund dafür ist auch die Weinkarte mit über 250 Positionen aus den wichtigsten Anbaugebieten, bei der Frau Unteregger eine kompetente Ratgeberin ist. Alle paar Tage wechseln vier Gänge, die zwischen 7,50 und knapp 20 Euro kosten und auch als Menü gewählt werden können. Ergänzt wird dies durch einen sehr gepflegten Käsewagen.

Mit einer feinen und gut abgeschmeckten jiddischen Lebercreme begann das Menü. Dann kam Sellerie: Mit dem Saft mehrerer Kilo Sellerie werden ganze Knollen stundenlang im Ofen geschmort, was zu einem fast nach Honig schmeckenden Sirup und zur Intensivierung des Geschmacks und angenehmer, zarter Konsistenz führt–perfekt! Mit den in Wien irgendwie beliebten Zitrusaromen ging es weiter: Hausgemachte Kalbsfleischravioli waren mit Orange gewürzt, ein feines Zwischengericht. Die sehr vernünftig portionierte Kohlroulade war aus Wirsing (der etwas weicher gegart hätte sein können) und wurde begleitet von einem zitronigen, hellen Jus, der mit etwas weniger Säure noch besser gewesen wäre. Dessert fiel dem Käsewagen zum Opfer, hätte aber zum Beispiel eine weiße Schokomousse mit Mandarinengranité sein können.

Intim, persönlich, gemütlich – und was für Sellerie!
Restaurant Kommod
Strozzigasse 40
1080 Wien
Österreich
kommod-essen.at
Aus Effilee #48, Frühjahr 2019
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