Restaurant David Toutain

Hinrich Sudeck im November 2018: Kreative und persönliche Küche, die heute aber nicht mehr ganz so verblüfft wie noch 2012

Vom Kollegen Pudlowski erhielt Toutain seinen Beinamen La Bombe, 2011 war das, während der Zeit im Agapé Substance, einem Schlauch mit 26 Plätzen, die zu den begehrtesten in Paris gehörten. Toutains Küche basiert auf seinen Erfahrungen vor allem bei Passard, Veyrat, Pacaud, Barbot und Aduriz. Skandinavische Nüchternheit und Holz prägen neben mittelmäßiger Beleuchtung das Interieur – es geht um die Teller. Auf denen liegt eine Rolle von der Zwiebel mit Auster und Himbeere, dann kommt mit Apfel und Verveine marinierter roher Carabinero, ein Hummergelee mit Artischockenchips und jungen Nüssen. Klassisch aus dem Agapé ist die Maiscreme mit Kreuzkümmel und Eigelb – eine Bombe im Mund, von der man gern mehr hätte. Erbsenschaum ist mit Douglasie aromatisiert und von Rhabarber begleitet und erstklassiger Kabeljau von Pampelmuse, Basilikum und grünem Spargel. Das Hauptgericht (Taube) war eher konventionell, gerade direkt nach dem Räucheraal vom Grill mit Granny Smith und schwarzer Sesamcreme. Das war eine solche Aromenüberflutung, dass es danach jeder Gang schwer gehabt hätte. Im Dessert verbanden sich Erdbeeren mit Petersilie und es verblüfften Champignons auf Karamell und Schokolade mit Trüffel sowie ein spannendes Eau de Vie d’Ananas. Die Portionen sind befriedigend, die Weinkarte ganz interessant, aber der an sich charmante Service kreist ein wenig zu sehr um sich selbst. Zehn Gänge kosten 140 Euro, die Toiletten sind aus der Geisterbahn entliehen.

Kreative und persönliche Küche, die heute aber nicht mehr ganz so verblüfft wie noch 2012
Restaurant David Toutain
29 Rue Surcouf
75007 Paris
Frankreich
davidtoutain.com
Aus Effilee #47, Winter 2018/2019
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