Poiré Granit

Eric Bordelet
Normandie, Frankreich

 
Sebastian Bordthäuser schreibt über Wein, Sake und Cocktails und ist Sommelier in Steinheuers Restaurant
Sebastian Bordthäuser schreibt über Wein, Sake und Cocktails und ist Sommelier in Steinheuers Restaurant

In der Regel werden in einer Weinbesprechung die Verkostungsnotizen eines Getränks zusammengefasst: optische Prüfung, Nase, Gaumen, einige Aromen. Es wird verkostet, nicht getrunken. Die Tatsache, dass man nach einer Verkostung manchmal eine ziemlich versaute Frisur hat, wird gern verschwiegen.
Nicht bei die­sem Getränk: 3,5 Prozent Alko­hol protzen mit satter Birne in der Nase und am Gaumen. Eric Bordelet, vormals Sommelier, übernahm 1992 uralte Obstanlagen auf feinsten Granitböden von seinen Eltern. Er erkannte die Qualität der Bäume und der Böden und begann mit dem Ausbau von Qualitätscidre nach dem Vorbild großer Weine.
Die Cuvée für sein Spitzenprodukt, die Poiré Granit, setzt sich zusammen aus einer jährlich wechselnden Zahl von Birnensorten. Nachdem der Most vergoren ist, durchläuft er wie ein Champagner auf der Flasche die zweite Gärung. Die feine, aber bestimmte Perlage funktioniert als Trinkbeschleuniger, die saftige Birnenfrucht stimuliert heftiges Nachschenken. Ambrosialer Abgang habe ich mal auf dem Rückenetikett eines Whiskeys gelesen. Momentan ist der 2010er Jahrgang erhältlich, doch auch ältere Jahrgänge lassen sich gut trinken, denn dieser Cidre reift hervorragend. Einige Flaschen im Keller zu vergessen, ist also sinnvoll. Ob das gelingt, sei allerdings dahingestellt. Wenn man möchte, kann man in der Zwischenzeit ein Butterbrot essen.

Kaufbar: 17,90 Euro bei Weinart.

Text: Sebastian Bordthäuser
Aus Effilee #19, Nov/Dez 2011
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