Eme Be Garrote

Hinrich Sudeck im November 2018: Moderne baskische Küche ohne Chichi und Spielchen

 

Die legere Dependance des vielfach besternten Basken ist in einer ehemaligen Sidrería, also Apfelweinkelterei, untergebracht, und so sitzt man von viel Holz, Flechtwerk und einigen alten Fudern umgeben in einem Ambiente, das hier als euskandinavisch bezeichnet wird (baskonordisch, wenn man einen Modebegriff gegen den anderen setzen wollte …). Hat man das verarbeitet, kann man sich einer Karte widmen, die einerseits ein 7-­Gänge-Menü für 70 Euro oder auch eine À-la-carte-Auswahl bietet – und dabei auch die Möglichkeit lässt, manches in halben Portionen zu bestellen (19–31 Euro, halbe Portionen 10,50–14,50 Euro). Und das sollte man tun – nicht nur, weil die Preise so gastfreundlich kalkuliert sind. Ein luftiges Tempura­bällchen, gefüllt mit fein abgeschmecktem Stockfisch als Amuse, macht klar, wie gut hier gekocht wird. Das Versprechen erfüllte sich mit marinierten Anchovis und Gazpacho-Creme zwischen hauchdünnen Lasagneblättern, mit kleinen sautierten Gemüsen mit einem unglaublich erbsigen Erbsenschaum und bei einer kräftigen, cremigen Bouillabaisse. Von Schlachter Luismi kamen geschmorte Rinderbacke und traditionelle Kutteln mit Chorizo. Gin Tonic aus Sellerie, ­Gurke, Minze und Apfel mit glasierter Melone und ein cremiger Whisky mit Nüssen und Kaffeeschaum machten dann eigentlich sofort Lust auf den nächsten Besuch. Für einen guten Cava von Raventós, einen Abadía de ­Poblet 2015, Wasser, Kaffee, Brandys und das mehrgängige À-la-carte-Essen für zwei waren 200 Euro fällig, die wir gern bezahlten.

Moderne baskische Küche ohne Chichi und Spielchen
Eme Be Garrote
Camino de Igara 33
20018 San Sebastián
Spanien
emeberestaurante.com
Aus Effilee #47, Winter 2018/2019
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