Andreas Caminada

Christoph Teuner im November 2018: Höhepunkt des Schaffens

 

In der Reservierungsbestätigung von Schloss Schauenstein stehen appetitzügelnde Sätze, die einen schwindeln lassen: »Für die Stornierung des Restauranttisches wird pro Gast eine Gebühr von CHF 240 verrechnet.« Mit der Mail kam ein sechsseitiger Gastaufnahmevertrag, in dem die unschöne Formulierung Gesamtschuldner für alle Verpflichtungen auftaucht.

War das Essen auf Schloss Schauenstein so verkrampft wie das Drumherum? Nein! Nach einem äußerst vergnüglichen Amuse-Tsunami (tolles Texturenspiel und grandioser Geschmack beim Kopfsalat-Gazpacho; gelungene Mischung aus Bodenständigkeit und Eleganz beim geeisten Rotkohl mit Senfschaum) ging es richtig zur Sache. Saibling mit Dill und Radieschen, Langostino mit Limone, Bries mit Blumenkohl und Haselnuss, Zander mit Artischocke und Aubergine, Hirsch mit Roter Bete, Topinambur und Aprikose. Was am besten war? Die fili­grane Subtilität des Langostino. Perfekter Dreiklang Krustentier–Zitronen­aroma–braune Butter. Und der ­Harmonie-Hit schlechthin: Das sämige Bries mit einer wuchtig-filigranen Kalbssauce und einem Hauch von Blumenkohl und Sommertrüffel. Unaufdringlich, hintergründig, selbstsicher, reif. Fazit: Die fünf Monate Familien-Auszeit in Kalifornien, der ­Karibik, Kolumbien, Neuseeland und Thailand haben Caminada gutgetan. Viel Tatendrang: Erweiterung des Hotels, eigene Bäckerei, neues Wirtshaus. Caminada hat versprochen, dass die Reservierungsbestätigungen in Zukunft freundlicher im Ton sind. Danke.

Höhepunkt des Schaffens
Andreas Caminada
Schlossgass 77,
CH-7414 Fürstenau
Schweiz
schauenstein.ch
Aus Effilee #47, Winter 2018/2019
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