Döllerers

Christoph Teuner im November 2018: Herz, Schlotz und gute Preise

 

Andreas Döllerer

Vier Amuse-Aperçus: unfassbar herzlicher und unprätentiöser Service, vor allem durch Sommelier Alexander Koblinger. Döllerers akkurat gescheitelter zehnjähriger Sohn serviert mit. Die perfekt gestärkten Servietten haben die Größe von Tischdecken. Die Preise des Menus und der österreichischen ­Weine lassen den Genießer jubeln. Besserer Auftakt kaum möglich. Es geht so weiter: Maiwipfel von der Silbertanne mit zart ätherischem Geschmack machen aus dem sehr guten Saibling-Gang einen außergewöhnlichen. Die satte Süffigkeit der perfekt gewürzten Blunzn (für Preißn: Blutwurst) aus der eigenen Metzgerei vermählt sich aufs Schönste mit einer weiteren überraschenden Zutat: Ribiseln (für Preißn: Johannisbeeren). Ein paar mehr wären noch besser gewesen.

Der Stör hat eine Intensität wie ein ­Volley von Hans Krankl aus zwei Metern Entfernung ins Gesicht. Der Fisch kann sich trotz geballter und - wie Herr D. es möglicherweise formuliert hätte – multi­texturieller Selleriepower gut behaupten. Beim in brauner Butter gebratenen Kalbsbries mit geschmorter Zwiebel und Kartoffelschaum fehlen die Worte, wegen der schieren Produktqualität. Umwerfend ist ein zu schwaches Wort. Schlotzigkeitsfaktor 100! Koblinger, der lange bei den Obauers in Werfen war, hat meinen Wortschatz übrigens um ein wunderbar charmantes Wort erweitert: Als der Weißwein zu früh leer war, fragte er: »Darf ich Ihnen vor dem Rotwein noch ein Zwischenschluckerl eingießen?« Zwischenschluckerl! Prost.

Herz, Schlotz und gute Preise
Döllerers
Markt 56
A-5440 Golling
Österreich
doellerer.at
Aus Effilee #47, Winter 2018/2019
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