Côtes-du-Rhône rouge 2009

Château des Tours
Rhône, Frankreich

 

Dass burgundisch bei Weinen, die nicht im Burgund gewachsen sind, eine inhaltsleere Beschreibung sei, möchte ich mir nicht zueigen machen. Im Gegenteil: Ich empfehle hier einen Côtes-du-Rhône, dem ich ausdrücklich burgundische Anlagen zuschreiben möchte.
Dazu muss ich eine Anekdote erzählen: Vor einigen Jahren fand ich mich in einer Gesellschaft, der blind ein alter Wein eingeschenkt wurde: Jahrgang 1945, mehr wurde nicht bekannt gegeben. Im Duft fand man reife Würze, aber auch etwas ungemein Frisches, Beeriges. Der Gerbstoff war auf wunderbare Weise zugleich samten geschmolzen und von vitaler innerer Festigkeit. Mineralität, Nerv, Saft – alles war da und alles begeisterte.
Schnell waren sich alle einig: Burgund, keine Frage. Dann kam die Auflösung: Es handelte sich um einen Châteauneuf-du-Pape, Château Rayas.
Château des Tours ist das Bruder-Château von Château Rayas, im Besitz derselben Familie, im selben feinsinnigen Stil bereitet, deutlich zugänglicher im Preis. Natürlich zeigt der junge 2009er seine Herkunft von der Rhône in aller Pracht, mit einem fast süßlichen Auftakt und ordentlich Dampf im Kessel. Aber er hat auch Delikatesse und ein inneres Vibrieren, von dem man gar nicht weiß, ob man es zart oder kraftvoll nennen soll. Burgundisch eben.

Text: Ulrich Sautter
Aus Effilee #25, Sommer 2013
«
»

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.