Château Pontet-Canet 2010, Château Pontet-Canet, Pauillac, Frankreich

Dirk Würtz im Februar 2017: Natürlich hat dieser Traum seinen Preis. Man kann es als Investition sehen, oder sich einfach auch mal etwas Nettes gönnen. Es muss ja nicht immer ein neuer Fernseher sein…

 

Bordeaux ist tot – es lebe Bordeaux! Oder so ähnlich … War ich lange von diesem Anbaugebiet tödlich gelangweilt, kommt mit den Jahrgängen 2008 und 2010 meine alte Liebe zurück. Besonders 2010 hat es mir angetan und da im ganz Speziellen der Pontet-Canet. Ja, klar, Luxuswein. Egal! Grandioser, perfekter Stoff. Nix zum Träumen, mehr zum Trinken. Jetzt und ganz sicher in 199 Jahren auch noch. So eine Stringenz, so eine raue und herbe Schönheit, so ein Zug, so grandiose Tannine, nicht spitz, nicht stumpf – perfekt in der Mitte. Und dann diese Kraft. So viel Kraft, und trotzdem, trotz des enormen Alkohols, ist da gar nichts, was irgendwie fett oder plump oder gar dick wirkt. Alkoholbomben sind meine Sache so gar nicht, und der hier hat um die 15 Prozent. Die sind aber nicht spürbar. Beziehungsweise erst, wenn die Flasche leer ist, keine Frage! Aber nichts von dieser Konzentration ist schmeckbar, keine Trinkmarmelade, im Gegenteil, das ist ein eleganter und quasi kühler Wein. Schlicht ein Traum.

Natürlich hat dieser Traum seinen Preis. Man kann es als Investition sehen, oder sich einfach auch mal etwas Nettes gönnen. Es muss ja nicht immer ein neuer Fernseher sein…
Aus Effilee #38, Herbst 2016
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