Anne-Sophie Pic

Christoph Teuner im Februar 2019: Neue Welten

 

»Diese beiden Herren hier, meine Begleiter, trinken wie die Löcher. Es werden also viele Flaschen heute Abend. Damit unsere Frauen uns nicht töten, würden wir gerne bei den allergünstigsten Weinen bleiben«. In vielen französischen Sternerestaurants bekäme man eine unterkühlte, vielleicht abfällige Reaktion auf einen solchen Satz aus deutschem Mund. Nicht so bei Anne-Sophie Pic. Sommelier Baptiste Gauthier lachte fröhlich und stellte uns ein großartiges Programm erschwinglicher Weine zusammen, unter anderem einen St. Péray Ongrie von Voge oder einen St. Joseph Olivaie von Coursodon. Das Essen? Was soll ich dazu noch sagen, nach zwei hymnischen Lobgesängen in den letzten Jahren hier an dieser Stelle?

Die Hymne heute beschränkt sich auf die großartigen Geschmackskombinationen, die ich allesamt so noch nicht kannte: Möhre und Jasmin in einem der vielen tollen Amuse-Bouches. Oder Auster, Kaffee und Whisky. Oder Steinpilze, Shiso-Kresse und Tee. Oder Rotbarbe, Sumach und geräucherte Pinientriebe. Vermeintliche Gegensätze fügen sich immer zusammen zu einem harmonischen Bild. Persönlicher Höhepunkt des Abends war, einmal wieder, das Kalbsbries. Knusprig außen, cremig innen. Heidehonig und gelber Steinklee bringen sowohl Süße als auch Bitterkeit. Frau Pic selbst entdeckt in dieser Kombination »Tertiäraromen wie Leder, Rauch und Humus«. Es bleibt dabei: Ein Gourmetleben, in dem ein Besuch bei Pic in Valence fehlt, ist unvollständig. Haare in der Suppe? Eines: 340 Euro fürs große Menü lassen nicht nur kurz den Atem stocken.

Neue Welten
Anne-Sophie Pic
285, avenue Victor-Hugo
26000 Valence
Frankreich
anne-sophie-pic.com
Aus Effilee #48, Frühjahr 2019
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