Moritz Crone-Rawe, 29 Jahre / Rolling Taste, seit 2015, 25 Mitarbeiter

Ich hab mich schon immer fürs Kochen begeistert, Schule war nicht so meins. Mit sechzehn hab ich dann eine Kochausbildung angefangen bei Wolfgang Pade in Verden, der hatte damals einen Stern. Da wusste ich noch nicht mal, was das genau ist, Sterneküche.

Danach ist einiges passiert, was mich sehr geprägt hat, in meiner weiteren Laufbahn als Koch. Nach einem schweren Motorradunfall, der mir nochmal ganz deutlich gezeigt hat, was ich wirklich will, bin ich für zwei Jahre nach Australien. Dort habe ich für die Sheep shearer gekocht. Dabei ging es nicht nur ums Kochen. Ich habe die Tiere da auch selbst geschlachtet und zerlegt, wirklich alles vom Tier wurde verarbeitet. Das was jetzt auch hier seit einiger Zeit im Trend ist, from nose to tail. Das war dort das ganz normale Leben. Real Australian Farmer Food!

Ein sehr krasser Moment dabei war, wir wollten ein Schaf schlachten und hatten das Messer vergessen. Also saß ich, während die anderen das Messer holten, ganz allein mit diesem Schaf auf dem Schlachtplatz und musste es ne halbe Stunde festhalten. Mach das mal und schau so einem Schaf dabei in die Augen, das genau weiss, was jetzt gleich passiert! Genau solche Momente haben mich sehr in meinem Beruf beeinflusst. Ich habe den vollen Respekt für alle Lebensmittel, die ich verarbeite.

Wir machen Catering. Rolling Taste heisst die Firma. Die ersten Caterings haben wir direkt bei mir aus der Garage gemacht, aber wir wurden sehr schnell immer grösser, weil die Menschen unser Konzept verstanden haben und gut fanden: nur gute Produkte, nur gutes Fleisch, jedes Gericht wird direkt vor Ort zubereitet. Wir haben seit 5 Jahren hart auf etwas hingearbeitet jetzt waren wir perfekt vorbereitet, um noch mehr Großveranstaltungen und Kunden bedienen zu können, vom Fuhrpark bis zur Gesamtorganisation. Als junges Unternehmen haben wir ja kaum Rücklagen bilden können.

Innerhalb weniger Tage wurden alle Grossveranstaltungen und Messen abgesagt! Für uns hat das bedeutet, wir haben knapp 2 Mio. Euro Umsatz verloren!

Bei uns ging Corona schon vier Wochen früher los, als bei den Restaurants. Innerhalb weniger Tage sind viele, auch internationale Kunden weggebrochen. Das war der komplette Cut, alle Grossveranstaltungen und Messen abgesagt! Für uns hat das bedeutet, wir haben knapp 2 Mio. Euro Umsatz verloren!

Wir haben gleich damit angefangen, neue Ideen umzusetzen, vom Mittagstisch bis hin zu One beef. Wir haben ja eigene Rinder, denn da wissen wir, wo das Fleisch herkommt. Das hatten wir für das Catering aufgebaut, jetzt beliefern wir unser Kunden mit den unverarbeiteten Produkten. Beste Qualität frei Haus. Bestellen kann man das bei onebeef.net. Wir haben auch noch verschiedene Partner mit aufgenommen die ja in der gleichen Situation sind wie wir, so haben wir auch frischen Spargel und Gemüse, sogar Blumen. Wichtig ist jetzt ein Miteinander, sich gegenseitig unterstützen. Jetzt wäre eine gute Zeit, den Markt, den direkten Handel wieder mehr auszubauen! Es macht doch mehr Sinn, direkt bei den Erzeugern einzukaufen! Bessere Qualität und dazu noch günstiger, weil es keinen Zwischenhandel gibt.

Zum Thema Soforthilfen: das ist ja gestaffelt, bei unserer Größe sind es um die 25.000 €, das haben wir auch gleich beantragt, ist aber noch nicht da. Ich habe aber schon von Kollegen gehört, dass das Geld angekommen ist. Das hilft natürlich erst mal kurzfristig, man muss es am Ende des Jahres allerdings auch schon wieder als Gewinn versteuern!

Gut ist, dass es mit dem Kurzarbeitergeld schnell ging, dass das ausgeweitet worden ist. Dazu wurden die Sozialversicherungsbeiträge übernommen damit sparen wir schon mal den größten Teil der Fixkosten. Damit kann man erst mal gut arbeiten, flexibel die Mitarbeiter einteilen, wer dann wann arbeitet.

Unterm Strich: es sind gute Angebote vom Staat dabei, es wird was gemacht aber es ist nicht das was uns gezielt hilft, gerade den Kleinen. Ich würde gut finden, wenn der Staat gefragt hätte, was sind eure Fixkosten und das übernehmen wir für diese Ausfallzeit komplett.

Bei uns stellt sich die Frage, werden überhaupt noch Großveranstaltungen stattfinden?

Das schlimmste im Moment ist eigentlich gar nicht die momentane Krise selbst. Ich mache mir viel mehr Sorgen um das Danach – was passiert, wenn es wieder weiter geht? Ein Restaurant macht wieder auf und die Stammkunden kommen hoffentlich wieder. Bei uns stellt sich die Frage, werden überhaupt noch Großveranstaltungen stattfinden? Was sind die neuen Auflagen? Und wenn ja, wann dürfen wir wieder loslegen? Einige Unternehmen werden auch gar keine Budgets mehr haben und bei anderen, denen es noch gut geht, vielleicht ist es ihnen unangenehm zu feiern, weil es vielen anderen schlecht geht.

Meine Meinung …
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