Heinz O. Wehmann, Landhaus Scherrer, 30 Mitarbeiter – davon 7 Azubis

Wissen Sie, bin jetzt schon so viele Jahre Gastronom, was ich schon alles erlebt habe! Ich habe Zeiten gehabt, vor 38 Jahren, da haben wir mit dem Rücken an der Wand gestanden! Mit einem Schuldenberg, der eigentlich nicht zu bewältigen war. Mit viel harter Arbeit – aber auch Glück – und vor allem Mitarbeitern und Gästen die immer hinter einem standen, haben wir schon so viel gemeinsam gemeistert. Das macht alles auch was mit einem selbst Wir als Selbstständige, Unternehmer haben doch unser ganzes Leben immer volles Risiko das ist jetzt auch ein Vorteil. Bewusst agieren – sich darauf besinnen: was ist die eigene Stärke.

Wir haben unser Geschäft immer langfristig geplant, ich weiss, das alles wird jetzt nicht nur ein paar Wochen dauern, sondern länger. Aber ich habe mir vorgenommen, mit den Mitarbeitern – nachdem alles gut überstanden ist: wieder zusammen richtig durchzustarten! Wir arbeiten jetzt mit einem sehr kleinen, reduzierten Team, ansonsten gilt: Überstunden abbauen, Urlaubstage – bevor wir Kurzarbeit einführen und dafür dann die Gelder beantragen werden.

Wir haben ja ohnehin ein gutes ausser Haus Geschäft – da wollen wir jetzt noch etwas aktiver werden. Wir haben aus der Nachbarschaft eine ältere Kundin die seit Jahren täglich zu uns kommt. Und sie fragte mich gestern: „Herr Wehmann, was mache ich denn nur, wenn Sie hier zumachen müssen?“ Meine Antwort darauf: „Nichts. Sie wohnen doch ein paar Häuser weiter – wir lassen Sie doch nicht hängen!“ Für uns Gastronomen, die wir sowieso immer in der Dienstleistung stehen, ist das eine Selbstverständlichkeit! Das Wort „Dienstleistung“ heisst ja nicht nur zu „dienen“ – sondern auf einer Augenhöhe mit den Kunden zu sein.

Wenn wir jetzt zusammenhalten, dann stehen wir das auch gemeinsam durch

Der Staat springt ja gerade auch relativ großzügig ein, o.k, es ist nicht so, dass man mit 60 % Kurzarbeitergeld aus der Gastronomie leben kann – gerade mit einer Familie. Aber wir haben immer gut und seriös bezahlt – wenn wir jetzt zusammenhalten, dann stehen wir das auch gemeinsam durch. Wir können uns mit den Mitarbeitern hier auch jederzeit zum Essen treffen. Ich sehe das Unternehmen als Familie.

Wir haben jetzt auch die Aufgabe den jungen Menschen wiederzugeben, dass man eine gewisse Ruhe ausstrahlt. Ich bin natürlich auch angespannt, ich mag zum Beispiel nicht fremdbestimmt werden, wie wir alle gerade ja werden- aber damit muss man sich jetzt eben auch auseinandersetzen. Und wirklich ganz pragmatische Lösungen finden. Und auf uns acht geben, dass wir diese Situation gemeinsam in den Griff bekommen, damit eben nicht noch was schlimmeres passiert.

Menschen die für andere Menschen hart arbeiten und da sind, bekommen vielleicht auch jetzt einen ganz anderen Stellenwert in dieser Gesellschaft. Ein Beispiel: die Ernten werden wohl dieses Jahr sehr früh losgehen – und, wer arbeitet dann auf dem Feld? Auch der Respekt vor Lebensmitteln wird vielleicht wieder größer, wenn nicht mehr alles selbstverständlich immer da ist.

Es wird weitergehen, wie nach jeder schlimmen Krise. Wieviele Generationen vor uns, haben das schon durchmachen müssen? Ich denke mir, wenn sich jetzt alle an gewisse Regeln halten und wir darauf achten, wie wir uns verhalten – so dass die Krankenhäuser nicht komplett überfüllt sind, haben wir alle eine gute Chance da gut wieder rauszukommen.

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