Graacher Domprobst Riesling Kabinett (trocken) 2011

Markus Molitor
Mosel, Deutschland

Wieder sind es die Rieslinge, die mich bei Markus Molitor am meisten berühren. Sie stammen aus gut einem Dutzend renommierter Lagen von Mosel und Saar und werden, je nach Lesezeitpunkt und Zustand der Trauben, teils trocken, teils feinherb und fruchtsüß und teils edelsüß ausgebaut. Der kleinste Wein kostet etwa 10 Euro, der teuerste über 3400 Euro. Kaum anderswo habe ich 2011er verkostet, die zum einen so stark den reifen, fruchtintensiven Jahrgang repräsentierten, dabei aber dennoch frisch und lebhaft waren, noch dazu von einer Atem beraubenden Brillanz und Präzision, sodass sie ihre Herkunft auf die denkbar sinnlichste Art zum Ausdruck brachten.
Einer meiner Lieblingsweine ist der trockene Kabinett aus dem Graacher Domprobst (weiße Kapsel). Er zeigt, dass man bei Molitor Weltklasseweine schon für weniger als 12 Euro erstehen kann: Sehr feines Schieferbukett mit kühler, dennoch reifer, auch tropischer Frucht. Boden und Frucht scheinen schon im Bukett perfekt und spannungsreich vereint. Enorm saftig und delikat am Gaumen, zeigt dieser Kabinett Schmelz, Rasse und eine nachhaltig kühle, pikant-spröde mineralische Ader. Oder Seele?
Egal, ab in den Keller damit und in zehn Jahren darüber philosophieren. Der Wein jedenfalls ist komplex genug für ein langes Flaschenlager.

Text: Stephan Reinhardt
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Aus Effilee #23, Winter 2012
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