Chairs

Kai Mihm im Februar 2019: Tolles Preis-Genuss-Verhältnis, und charmant noch dazu

 

Das Chairs in Frankfurt hat in den letzten Jahren eine erstaunliche Entwicklung genommen. Einst ein leicht studentisch angehauchtes Stadtteillokal mit solidem Essen, bekommt man dort inzwischen eine der spannendsten Küchen der Stadt – wohlgemerkt keine Haute Cuisine, sondern reduzierte Bistronomie par excellence. Die besten Kreationen von Dennis Aukili überzeugen durch Simplizität und Originalität bei gleichzeitigem Wohlgeschmack. Einen in Salz und Kaffeesatz (!) gegarten Knollensellerie serviert er augenzwinkernd als vegetarische Variante des Klassikers Hase à la Royale: überzogen mit einer dichten, dunklen Sauce auf Basis von Pilzen, Haselnüssen und etwas umbrischem Trüffel – erdig und voller Umami, dabei überraschend subtil. Gedämpften Kabeljau und grünes Tomatenchutney wickelt er in blanchierten Wirsing, eine feine Mischung zarter Kohlaromen und milden Fischs, ungewöhnlich aufgefrischt durch die herbe Tomatensäure. Nicht alles funktioniert so gut. Ein Zwischengang von Shiitakepilzen hat zu viel Säure von Preiselbeeren und zu viel Salz von allzu dickem Lardo. Umso besser das Duo vom Berkshire-Schwein (geschmorte Schulter und hausgemachte Bratwurst), rustikal mit Schwarten-Crumble und elegant durch Rotkohlcreme. Manches ist etwas ungeschliffen, aber das passt wiederum zur Atmosphäre im Chairs, die sich glücklicherweise nicht verändert hat. Das Restaurant bleibt durch und durch unprätentiös – auch bei den Preisen: Vier Gänge gibt’s für 49 Euro. Auch darin erinnert es an die (echte) Bistronomie von Paris.

Tolles Preis-Genuss-Verhältnis, und charmant noch dazu
Chairs
Gronauer Straße 1
60385 Frankfurt/Main
Deutschland
chairsffm.de
Aus Effilee #48, Frühjahr 2019
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