Fine Ruby Port, Quinta do Noval, Portugal

Andreas Kosma im März 2019: Fifty shades of Ruby

 

»Trink alles, was gut tut – doch nie allein!« So oder so ähnlich riet uns der weise Udo Jürgens. Was aber tun, wenn man Portliebhaber ist und die Feiertagskerngesellschaft vor dem harten Stoff die Segel streicht? Ich selbst greife in solchen Krisen auf eine bewährte Philosophie von mir zurück: Ich öffne den Sensibelchen einen Riesling, was ja auch nie ganz verkehrt ist, und schnappe mir mit der anderen Hand einen Ruby für die Folgetage. Einer, der nicht wehtut, der eine Entwicklung hinlegt und im Übrigen in der gleichen Preislage rangiert wie der Weißwein. Im vergangenen Jahr genoss ich die Metamorphose des Fine Ruby der Quinta do Noval über vier Menüenden hinweg: An Heiligabend zeigte er (neben dem Primitivo) seine straffe Figur zu Ochsenschwanzragout, in das mir durch Zufall ein Stückchen Bitterschokolade geplumpst war. Einen Tag darauf vermählte er sich mit der Mousse au Chocolat auf perfekte Weise. Nach drei Tagen lief er dann zu Hochform auf, war offen und half die verbleibenden Lebkuchen hinunterzuspülen. Man will ja nichts verkommen lassen. Dies galt ebenso für die hühnereigroßen Datteln vom Weihnachtsmarkt in Metz an Tag vier. Und wären die Gebäckreste am zweiten Weihnachtsfeiertag nicht derart trocken gewesen, so hätte ich womöglich am fünften Advent noch eine Begleitung zu meinem Roquefort gehabt.

Fifty shades of Ruby
11,50 Euro, vivino.com
Aus Effilee #48, Frühjahr 2019
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