Carneros Chardonnay 2007

Hudson Vineyard
Napa Valley, USA

 

Als ich den tiefgelb gewandeten Wein eingeschenkt und den ersten Schluck genommen hatte, dachte ich, zu einem ziemlich kalifornisch anmutenden ­Puligny-Montrachet oder Meursault gegriffen zu haben. Der Wein war ungeheuer reich, intensiv und cremig-süß, aber auf einem gnadenlos mineralischen Chassis aufgebaut – anders als erwartet, aber faszinierend! Wow, hat der eine Länge! Und ist doch so animierend. Beim dritten Glas wollte ich wissen, was mir solchen Spaß machte: Es handelte sich nicht um einen kalifornisch anmutenden Burgunder, sondern um einen ziemlich burgundisch schmeckenden 2007er Chardonnay aus dem kühlen Carneros im Napa Valley. Ein Freund hatte ihn neulich zum Dinner mitgebracht. Das passte, denn ich hatte Riesengarnelen in der Pfanne. Der Kalifornier gefiel mir schon hier, doch länger konnte ich mich nicht mit ihm beschäftigen, denn ich hatte nur eine Garnele, aber sieben Chardonnays! (Keine Sorge, es folgte noch ein See­teufel zu diversen Pinots und Rôties sowie ein Truck-Driver-Entrecôte zu üppigen Cabernets.) Anderntags verstaute ich sämtliche angebrochenen Flaschen im Kühlschrank. Nach fünf Tagen kehrte ich zurück. Der Wein stand jetzt noch weit besser da, er entpuppte sich als einer der eindrucksvollsten kalifornischen Weißweine meines alternden Lebens.

Kaufbar: 65 Euro über www.gute-weine.de

Text: Stephan Reinhardt
Aus Effilee #17, Jul/Aug 2011
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