Boris Kasprik, Restaurant Petit Amour, 5 Mitarbeiter

Ich stelle mich jetzt erst mal so auf, das ich diese Woche die ganze Bürokratie bearbeite: Das Kurzarbeitergeld für meine Mitarbeiter organisieren. Und Liquidität zu schaffen. Alles was jetzt gemacht werden kann, um eine Basis zu schaffen, damit wir überhaupt eine Zukunft haben.

 

Langfristig ist es eben auch eine Katastrophe, allein für dieses Jahr: Firmenfeiern kann man jetzt wohl ganz vergessen. Welches Unternehmen hat dafür dann noch die finanziellen Mittel? Alles Dinge, worauf wir Gastronomen angewiesen sind, um zu überleben.

Es geht hier nicht nur um uns Gastronomen persönlich – sondern auch um die Küchenhelfer, Spüler… Diese ganzen Menschen sind auf Jobs angewiesen. Sonst würden Massen von Menschen auf der Strasse leben, noch so viel mehr als jetzt! Wir sind doch diejenigen, die die Kleinen beschäftigen- auch so viele Mini-Jobber, Studenten…die dringend auf das Geld angewiesen sind.

Die Gastronomie ist eines unserer größten Kulturgüter überhaupt. Das glaube ich wirklich. Ohne die Gastronomie wären wir ein Volk von Ameisen. Ohne Gastronomie ist für uns Menschen doch kein Leben möglich, das wird es immer geben. Egal in welcher Form. Einen Platz wo die Menschen sich treffen. Wir sind eine der ältesten Branchen überhaupt – erst kam der Bauer, dann die Prostitution – und dann gleich danach die Gastronomie.

Ich habe hier bis ins letzte Detail alles reingesteckt, was ich habe: finanziell und emotional

Es kann sein, dass es mein Restaurant danach nicht mehr gibt, das gilt für so viele gerade. Aber ich werde alles dafür tun, damit das nicht passiert, ich habe hier bis ins letzte Detail alles reingesteckt, was ich habe: finanziell und emotional. Es ist gerade ein ganz schwieriger Job für mich, alle Reservierungen abzusagen, die noch offen sind. Aber dann ist es auch so schön, zu hören, wie sehr die Gäste hinter einem stehen. Ihre Worte dazu zu hören, das hat mich gerade auch aufgebaut.

Es könnte auch eine Chance sein, wieder ganz neu anzufangen. Das Positive an dem Ganzen ist, bei dem ganzen Schrecklichen: es wird wieder ein weisses Blatt auf den Tisch gelegt. Eine Chance für einen Neuanfang.

Wir haben hier noch nie drinnen geraucht. Gestern habe ich meinem Mitarbeiter einen Aschenbecher hingestellt. Und er meinte: nein, danke. Wir machen das jetzt immer noch genau so wie sonst auch.

Ich habe allen meinen Mitarbeitern einen Schlüssel gegeben – für alle Notfälle. Jeder kann sich dann hier noch mit Essen versorgen: im Kühlhaus und Lager gibt es noch genug. Mein Grossvater fand es damals nicht besonders toll, dass ich Koch werden möchte. Aber er hat am Ende gesagt: das Gute ist, du wirst immer etwas zu Essen haben. Und darauf kommen wir jetzt wieder zurück…

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