Was haben Sie gestern gegessen?

Thorsten Schmidt reinigt für die Firma Raabe Fassaden. Oft ist er zwölf Stunden auf dem Bau, Zeit zum Essen bleibt ihm in den kurzen Pausen kaum

 

Unter der Woche stehe ich um 5.30 Uhr auf. Ich schmeiße die Kaffeemaschine an, dusche, trinke Kaffee und rauche eine Zigarette. Anschließend fahre ich los.

Gestern war ich um sieben auf der Baustelle. Ich habe die Kaffeemaschine angeschaltet und meine Sachen aufgebaut. Dann ging es rauf aufs Gerüst. Pause mache ich, wenn es gerade passt. Gestern waren es drei oder vier Pausen. Ich trinke Kaffee, rauche eine Zigarette, dann geht es weiter. Gegessen habe ich tagsüber nichts, nur ein bisschen Schokolade. Vorgestern gab es eine große Tafel Schokolade, dreihundert Gramm. Ab und an habe ich einen Energieriegel dabei. Wenn ein Bäcker in der Nähe ist, gehen wir in der Pause manchmal hin, doch bei der aktuellen Baustelle ist er zu weit weg. Ich könnte mir eine Stulle mitnehmen, aber dazu bin ich meist zu faul. Ein Kollege trinkt Kaffee mit Zucker. Das mag ich nicht, also muss ich meinen Zucker woanders herholen, denn ein Tag auf dem Gerüst ist wie eine ganze Woche joggen.

An manchen Tagen, wenn es warm ist, trinke ich vier bis fünf Liter Wasser am Tag

Wenn es warm ist, trinke ich viel Wasser. An heißen Tagen waren es in diesem Sommer vier bis fünf Liter pro Tag. Bei dreißig Grad im Gummivollanzug auf dem Gerüst hinter einer Plane, noch dazu mit neunzig Grad heißem Wasser … In zwei Wochen habe ich acht Kilo abgenommen. Feierabend ist regulär um 16 Uhr, aber oft geht es länger, manchmal bis 21 Uhr. Es gibt Stressbaustellen und Noteinsätze, wenn ganz schnell Graffiti entfernt werden muss, Hakenkreuze oder ausländerfeindliche Parolen. Gestern bin ich um 19 Uhr von der Baustelle weg. Ich habe ein halbes Hähnchen gekauft und zu Hause in den Ofen geschoben. Da war ordentlich was dran, und es hat lecker geschmeckt. Dazu gab es Kartoffelsalat, allerdings keinen selbst gemachten.

Ich kann kochen, ich bin von Beruf eigentlich Schlachter.

Ich kann kochen, ich bin von Beruf eigentlich Schlachter. Aber für mich alleine zu kochen, lohnt sich nicht. Also gibt es meistens Fast Food, nicht im Sinne von McDonald’s, sondern Dinge wie Spaghetti, die schnell gehen. Mein Lieblingsgericht ist Ente. Die koche ich ziemlich oft, sogar mitten in der Woche. Ich nehme französischen Flugerpel, der hat gut drei Kilo, wenig Knochen und viel Fleisch.

Getrunken habe ich gestern Abend Orangensaft. Ein Feierabendbier brauche ich nicht, ich hab’s nicht so mit Alkohol. Kaffee gab es abends auch nicht mehr. Wenn man tagsüber ein bis zwei Liter davon trinkt, mag man ihn abends nicht mehr sehen.

Gegen halb elf habe ich mich aufs Sofa gesetzt und bin vor dem Fernseher eingeschlafen. Um zwei bin ich aufgewacht und ins Bett gegangen. Mein letzter Weg führt am Kühlschrank vorbei. Normalerweise esse ich dann noch ein Stück Käse. Gestern gab es einen Löffel Nutella.

Text: Maike Steenblock
Foto: Andrea Thode

aus Effilee #13, November/Dezember 2010

Aus Effilee #13, Nov/Dez 2010
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