Natto

Das Tolle daran, wenn man dafür bezahlt wird, sich von anderen Menschen bekochen zu lassen…naja,…ist natürlich ersteinmal dafür bezahlt zu werden, sich von anderen Menschen bekochen zu lassen.

Das Tolle daran, wenn man dafür bezahlt wird, sich von anderen Menschen bekochen zu lassen…naja,…ist

 
Rechteinhaber: Andrea Thode, Lizenzvereinbarung: Nutzung nur auf Effilee

Rechteinhaber: Andrea Thode, Lizenzvereinbarung: Nutzung nur auf Effilee

Aber diese Arbeit bringt noch einige zusätzliche Vorteile mit sich. Zum Beispiel, dass man immer wieder mit Sachen konfrontiert wird, mit denen man sonst nicht konfrontiert würde. Zum Teil, weil man von deren Existenz nichts ahnte, zum Teil, weil man ihnen sonst bewusst aus dem Weg ginge. Speziell für geradezu krankhafte Neugierler wie mich eine feine Sache.

Auch wenn ich grundsätzlich alles erstmal probiere, habe ich doch einen gewissen Respekt vor Lebensmitteln in einem fortgeschrittenen Zustand der Verwesung. Gammelrochen zum Beispiel. Auch die schleimigen vergorenen japanischen Sojabohnen sah ich immer mit einer gewissen Skepsis. Natto war mir also durchaus schon ein Begriff, als ich mich bei einem japanischen Frühstück damit konfrontiert sah. Auf manche wirkt allein schon das Erscheinungsbild abschreckend. In mir weckt so ein Anblick ja zunächst einmal den Entdeckergeist. Man rührt die Masse kräftig um, rührt Senf und eine spezielle Sojasauce unter und, wenn man ganz mutig ist, auch noch ein Eigelb. Die Fäden, die sich spannen, wenn man die Bohnen mit den Stäbchen aus der Schale holt sind schon beeindruckend. Meine Gastgeberin erzählt, wie sie im japanischen Fernsehen mal einen Natto-Fadenzieh-Wettbewerb sah. Bis zu zehn Meter lang konnte man die mit ausgefeilter Technick strecken.

Der Geschmack lässt sich vielleicht am besten als herzhaft-karamellartig beschreiben. Sehr ungewöhnlich und für westliche Gaumen eher gewöhnungsbedürftig (hier). Wenn man schon früh an diese Speise gewöhnt wird (hier) scheint es dem menschlichen Geschmackszentrum durchaus möglich zu sein, Freude daran zu empfinden. Ausserdem inspiriert dieses traditionelle Gericht zu Werbespots (hier), die ansonsten den Einsatz psychedelischer Drogen erforderten.

Also vermutlich durchaus ein Gewinn für die Menschheit. Und gesund soll es zu dem sein. Um sinnliches Vergnügen an Natto zu empfinden ist allerdings eine gewisse Einstellungsphase nötig. Vielleicht sollte man sich auch erstmal in aller Ruhe erklären lassen, wie man Natto isst (hier). Da hilft die gelangweilte Stimme der Sprecherin und die esoterischen Klänge im Hintergrund sehr, die verstörenden Bilder besser zu verarbeiten.

Und da ich ja nicht nur neugierig bin, sondern auch stur, werde ich garantiert auch noch einen weiteren Versuch unternehmen. Dann vielleicht mit Reis und Nori-Algen. Das scheint mir ganz gut als Einstieg. Bis zum Gammelrochen ist es aber noch ein weiterer Weg.

Mehr über Natto, japanisches, finnisches und schweizer Frühstück in Effilee Heft 4, ab 24. April am Kiosk.

«
»

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.