Riesling vom Schieferboden 2010

Weingut von Racknitz
Odernheim, Nahe

Entweder ein Wein ist mineralisch oder er ist es nicht. Racknitz’ Riesling vom Schieferboden gibt die Marschrichtung ­bereits im Namen vor, der aber ist eben kein beliebiges Produktmarketing, sondern wirbt für einen mineralischen Riesling der Extraklasse. Seinen Winzer, Matthias Adams, treffe ich bei einer Verkostung in einer Szenekneipe in Düsseldorf. Der Raum ist überfüllt, und so gerät das Verhältnis von Sauerstoff und Kohlen­dioxid schnell in eine bedenkliche Schief­lage, die eine Weinprobe eigentlich unmöglich macht. Doch Adams’ Riesling trotzt dem Mikroklima und schmeckt trotz mickrigen 11,5 Volumenprozenten derart fein und präzise, dass es die reinste Freude ist. Der Löwenanteil der Trauben für dieses Wunderwerk entstammt der steilen Schiefer-Terrassenlage Disibodenberg, die seit Jahr und Tag von uralten Trockenmauern an Ort und Stelle gehalten wird. Der Jahrgang 2010 hat Adams förmlich in die Hände gespielt. Ende Oktober war die Handlese abgeschlossen und bescherte ihm reife und gesunde Trauben, die er ganze drei Tage auf der Maische liegen lassen konnte, wodurch die hohen Säuren des Jahrgangs behutsam nach unten reguliert wurden und die Weine eine unglaubliche Extraktdichte erfuhren, die nicht fett schmeckt, sondern in einem zart-salzigen Finish mündet. Grandios.

Text: Axel Biesler
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