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Adolph Freiherr Knigge

Knigge – ist das nicht ein Benimmratgeber? Irrtum. Im Werk des Schriftstellers geht es um mehr als um Tischsitten

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Adolph Friedrich Ludwig Freiherr Knigge

Der Name des deutschen Schriftstellers und Aufklärers wird heute ebenso oft wie irrtümlich als Synonym für einen Benimmratgeber benutzt. Denn in Knigges Werk geht es nicht darum, in welchem Winkel Rot- und Weißweinglas neben dem Teller stehen sollen und ob man in die Serviette schneuzen darf oder nicht. Seine Hauptschrift »Über den Umgang mit Menschen« enthält eine Fülle von Gedanken zur zwischenmenschlichen Kommunikation und ist nicht an formalen Etiketteregeln, sondern soziologisch und psychologisch interessiert.

Biographie

Freiherr Knigge wurde 1752 in Bredenbeck geboren. Im Alter von 14 Jahren wurde er zum Waisen, und weil er von seinen Eltern nichts als Schulden erbte, konfiszierten die Gläubiger kurzerhand die Wasserburg der Familie in Bredenbeck. Knigge wurde von seinem Vormund zur Ausbildung nach Hannover geschickt. Anschließend studierte er in Göttingen Jura und Kameralistik, eine damals gerade neu entwickelte Form der Buchhaltung, die statt Verlusten und Gewinnen die Ausführung des Haushaltsplanes aufzeichnete.

Am Hof von Hessen-Kassel bekleidete er das Amt eines Hofjunkers und Kammerassessoren und kümmerte sich um Wirtschaftsfragen. 1773 heiratete er die Hofdame Henriette von Baumbach – die Ehe kam angeblich durch einen missglückten Scherz zustande, Knigge hatte der Dame den Schuh gestohlen und sie dadurch am Hof bloßgestellt, was die Landgräfin von Hessen-Kassel dazu bewogen haben soll, Knigge in die Ehe mit der Dame zu nötigen. Hofintrigen brachten Knigge um seine Stellung. Er zog mit seiner Frau auf ihr Familiengut und erhielt 1775 am Hof von Weimar den Titel eines Kammerherren.

1780 siedelte er nach Frankfurt am Main um. Dort widmete er sich der Schriftstellerei, außerdem – wie viele Denker und Gelehrte seiner Zeit – verschiedenen Geheimbünden und Freimaurerlogen, die Ideen der Aufklärung verbreiteten und nicht selten in Konflikt mit den politischen Obrigkeiten, den absolutistischen Fürstenhöfen wie den Konfessionskirchen standen. Für den Illuminatenorden warb Knigge in Norddeutschland rund 500 Mitglieder an. 1783 zog er von Frankfurt nach Heidelberg und von dort nach Hannover. In Bremen nahm er die Stellung eines Oberhauptmanns der großbritannisch-hannoverschen Regierung an. Nach der Französischen Revolution machte ihn seine Aktivität für den Illuminatenorden den Behörden als Demokrat und Jakobiner verdächtig, was ihn jedoch nicht daran hinderte, Manifeste für weitere egalitäre Männer- und Freundschaftsbünde zu entwerfen.

1795 erkrankte Knigge an Nervenfieber und Gallensteinen, 1796 starb er. Sein Grab ist im Bremer Dom zu besichtigen.

Werk

Das Werk, das heute allgemein als »Knigge« im Umlauf ist, heißt eigentlich »Über den Umgang mit Menschen«. Knigge gibt darin Ratschläge zum Umgang mit verschiedenen Generationen, Berufs- und sozialen Ständen, Charaktertypen, mit Freunden, Verliebten und nicht zuletzt mit sich selbst: »Indem ich aber von jenem esprit de conduite rede, der uns leiten muß, bei unserm Umgange mit Menschen aller Gattung, so will ich nicht etwa ein Komplimentierbuch schreiben, sondern einige Resultate aus den Erfahrungen ziehn, die ich gesammelt habe, während einer nicht kurzen Reihe von Jahren, in welchen ich mich unter Menschen aller Arten und Stände umhertreiben lassen und oft in der Stille beobachtet habe.« Die erste Ausgabe erschien 1788, der Volltext ist im Projekt Gutenberg zu lesen.

Daneben verfasste Knigge zahlreiche weitere Schriften, Romane, Traktate und Theaterstücke (einige Titel: »Roman meines Lebens«; »Geschichte Peter Clausens«, ein satirischer Roman über das Höflingsdasein; »Benjamin Noldmann’s Geschichte der Aufklärung in Abyssinien, oder Nachricht von seinem und seines Herrn Vetters Aufenthalte an dem Hofe des grossen Negus, oder Priesters Johannes«; »Des seligen Herrn Etatsrats Samuel Konrad von Schafskopf hinterlassene Papiere«), unzählige Rezensionen, außerdem kleine Kompisitionen.

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