Tokaji Aszu 6 puttonyos 1998

Istvan Szepsy – Tokaji Aszu 6 puttonyos 1998 – Mad, Ungarn

 
Norbert Müller öffnet seinen Weinladen im Schanzenviertel jeden Donnerstag und Freitag ab 16 Uhr

Wie war das damals, 1970, im Fern­sehen? Sissi (Romy Schneider) wird im Auftrag der österreichischen Krone nach Ungarn geschickt, um die Magyaren mit ihrem Charme zu bezaubern, trifft den Grafen Andrássy und bleibt, obwohl sie anscheinend ein Glas zu viel vom feurigen ungarischen Wein intus hat, ganz Staatsfrau. Sie widersteht den Reizen des Grafen

Ungefähr zeitgleich wird bei uns mit einem Gläschen Tokajer auf die Geburt der jüngsten Schwester angestoßen, und auch hier fallen die Worte feurig und Ungarn. Das waren meine ersten Wein­erlebnisse. Jahre bevor ich ahnte, dass Bordeaux auch für eine Weinsorte stehen kann, wusste ich, dass Tokajer (Tokaji Aszu, um genau zu sein) ein süßer Wein ist, benannt nach einem Städtchen im Nordosten Ungarns.
Wenn man so will, ist das auch der zeitliche Ablauf in der wirklichen Weinwelt: Tokaji Aszu war der erste Wein, der unter Verwendung edel­fauler Beeren hergestellt wurde, seit Mitte des 16. Jahrhunderts, 200 Jahre vor dem ersten süßen Sauternes.

Fast genauso lang ist die Familie Szepsy im Weinbau tätig. Gut möglich also, dass Sissi vom Grafen ein Glas Tokajer des Weinguts Szepsy serviert bekam, denn, um wieder in die Jetztzeit zu gehen, das ist der beste. Istvan tut alles für die Qualität, er selektiert sogar die Trauben für den Basiswein. Herauskommen ungeahnte, scharf konturierte Aromen wie z.?B. Orange, Honig, Pfeffer von ewiger Länge. Bei aller Süße hat der Wein eine unglaubliche Energie. Wie Schoko mit Chili. Feurig eben.

99 Euro (0,5 l) bei www.tokajneum.com

Text: Norbert Müller

aus Effilee #11, Juli/August 2010

Aus Effilee #11, Jul/Aug 2010
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