Effilee 57

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Matjes goes to Mexico

Wenn das der Matjes wüsste! Mit nur wenigen Zutaten wird das Nordlicht in kürzester Zeit zum sommerleichten Ehrenbürger der mexikanischen Küche!

Salzkartoffeln mit guter Butter

Omi war eine große Köchin und die Tochter einer großen Köchin. Sie konnte Sülze, Hühnerfrikassee und Blaubeerpfannkuchen. Sie hielt mich mit warmen Händen am Kragen fest, als sie mir Fahrradfahren beibrachte, aber nicht das Bremsen: »Steig ab, wenn ein Auto kommt«, sagte sie. Der VW-Bus am Horizont der weiten Marschwiesen war so wasserblau wie ihre Augen. Ich trug eine kurze grüne Frotteehose und ein Netzunterhemd. »Steig ab, wenn ein Auto kommt«, hörte ich ihre Stimme und fuhr schneller, immer schneller. Ich landete in einem riesigen Brennnesselgebüsch

Zitronen-Blumenkohl aus dem Ofen

Kochen konnte meine Oma nicht. Aber sie hat mir Skat beigebracht und Schach, das kann ich immer noch gut! Wir hatten viel Spaß, wenn wir zu dritt im kleinen Dachzimmer saßen und spielten. Sie ist darin aufgegangen. Erst hat sie uns was beigebracht, dann hat sie uns abgezogen und irgendwann musste sie einstecken. Sie hatte die schönsten Locken, trug eine Kittelschürze mit blauen Blumen und eine Brille mit dickem Rahmen. Sie roch nach Rosenkohl oder Blumenkohl, nach Kohl überhaupt. Kochen, das war für sie nur Essenmachen. Nichts Freudvolles, nichts Künstlerisches. Hingeklatscht wie fürs Vieh, alles Matschepampe. Nicht mal Abwaschen konnte sie besonders gut. Das Freudvolle lag für sie in den Süßigkeiten. Kuchen und Torten jeden Nachmittag, was war mir immer schlecht davon! Mit einer Ausnahme: ihre Linzer Torte - die konnte sie genauso gut wie Kartenspielen

Schinkenbodder mit Geheimnis

Meine Oma roch im Sommer nach Äpfeln und im Winter nach Bratäpfeln. Sie war immer dunkel gekleidet und sammelte die frisch geernteten Äpfel in ihrer Schürze. Der Apfelgarten war riesig. Die ersten Äpfel im Jahr waren die Augustäpfel. Weil man sie nicht lange lagern kann, hat Oma daraus Abbelklütschen gemacht, Klößchen aus sehr fein gewürfelten Äpfeln, die mit Zimtzucker und Butter gegessen wurden

Reis mit kleinen Nudeln und Joghurt

Meine Oma konnte nicht lesen und schreiben, aber sie war in der ganzen Straße bekannt dafür, dass sie gut kochen konnte. Sie konnte auch schlachten und Därme füllen. Und backen. Sie war ein bisschen alt und ein bisschen übergewichtig, und sehr gesellig. Sie wurde verheiratet, bevor sie ihre Regel hatte. Sie entfloh aus dieser Ehe und arbeitete in der Stadt als Angestellte, bis ihre Eltern sie wieder verheirateten. Als herauskam, dass sie bereits verheiratet war, kam sie ins Gefängnis, wo meine Mutter geboren wurde. Meine Oma hatte krauses Haar und einen dunklen Teint, ihr Vater kam aus Ägypten. Und sie hatte Humor und viele kluge Sprüche wie diesen: »Wir sind schon so oft gefickt worden, die einzige Stelle, wo wir noch nicht gefickt worden sind, ist hinterm Ohr, und da sind wir jetzt auch gefickt worden.«

Panzanella bianca

Trotz der sinnvollen Weiterverwendung gekochter Spargelstangen vom Vortag, ist der weiße Brotsalat kein Reste-, sondern ein Festessen. Manche Leute kochen sogar extra für dieses Rezept frischen Spargel, hörten wir