Kea Aden ist 89 – Was haben Sie gestern gegessen?

Kea Aden ist 89 und lebt in einem Seniorenheim bei Hamburg. Ihr Mittagessen kommt aus der Küche des Heims, morgens und abends versorgt sie sich selbst.

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Die Pflegebedürftigen werden ab sechs aus den Federn geholt, weil die Pfleger zum Duschen kommen. Ich höre manchmal das Wasser rauschen und drehe mich dann im Bett noch einmal um. Ich stehe gegen acht Uhr auf.

Was haben Sie gestern gegessen?

Ich habe ein kleines Apartment mit Küche, wo ich mir Frühstück und Abendbrot zubereite. Gestern morgen gab es zwei Scheiben Vollkorntoast, eine mit Honig und eine mit Quark und Marmelade. Dann bin ich zur Gymnastik gegangen, die vom Heim angeboten wird. Da sitzen wir gemütlich auf einem Stuhl, machen einfache Übungen und unterhalten uns. Gestern haben wir über Tee gesprochen. Die anderen Damen trinken fast nur Kräutertee. Ich habe ihnen erklärt, wie man Ostfriesentee zubereitet, denn ich komme aus Wittmund in Ostfriesland. Man wärmt die Kanne vor, nimmt Kluntje und gießt Sahnewölkchen in die Tasse. Und bloß keine Teebeutel verwenden!

Pünktlich um zwölf wird im Saal das Mittagessen serviert. Jeder der etwa fünfzig Heimbewohner hat seinen festen Platz. Das Essen ist schmackhaft und altengerecht, nicht zu fett. Ich habe selten richtig Hunger, aber wenn ich am Tisch sitze, schmeckt es so gut, dass ich doch mein Quantum esse. Gestern gab es Putenbrust mit Rosenkohl, Kartoffeln, Pilzen, Tomaten und ganz zarten Böhnchen, alles sehr hübsch angerichtet, und zum Nachtisch eine Quark-Pfirsich-Creme. Anschließend habe ich meine Heimatzeitung gelesen und bis um kurz vor drei eine Mittagsstunde gemacht.

Nachmittags wurde im Saal Kaffee und frisch gebackener Kuchen serviert. Oft gibt es auch ein Programm: Singen, Bingo oder Gedächtnistraining. Außerdem werden Spaziergänge und Ausflüge veranstaltet. Manchmal drehe ich eine Runde durch den Garten, doch seit ich mir im letzten Jahr bei einem Sturz die Hand gebrochen habe, bin ich vorsichtig geworden.

Abends habe ich eine Scheibe Brot mit Käse gegessen. Dann habe ich ferngesehen und bin gegen halb elf ins Bett gegangen.

Einmal in der Woche kaufe ich Lebensmittel an einem Wagen, der zum Heim kommt. Dort gibt es Brot, Käse, Butter, Quark und ein wenig Obst und Gemüse, wie an einem Marktstand. Ich kann auch bei Edeka anrufen und mir gegen einen kleinen Aufschlag Lebensmittel ins Haus liefern lassen.

Zum Frühstück und Abendbrot trinke ich Ostfriesentee, zwischendurch Wasser oder Saft. Zwei bis drei Liter am Tag schaffe ich allerdings nicht mehr. Früher in Wittmund haben wir vier- bis fünfmal am Tag Tee getrunken. Ich habe jeden Tag für meine Familie gekocht, im Winter gab es häufig Grünkohl, und in der Adventszeit habe ich fünf Stollen gebacken. Hier im Heim habe ich meine Kinder in der Nähe, sie kommen mich oft besuchen. Aber mein Zuhause in Wittmund vermisse ich trotzdem.

Text & Foto: Maike Steenblock

aus Effilee #14, Januar/Februar 2010

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