Tout à Fait

Maastricht, Niederlande
Bart Ausems

 

Wenn eine Stadt wie Maastricht mit gerade einmal gut 100 000 Einwohnern alleine fünf Sternerestaurants beherbergt und in 50 Kilometer Umkreis sich weitere 20 befinden, führt dies zwangsläufig zu einem erhöhten Maß an Kreativität.
Im Tout à Fait spürt man den Einfallsreichtum schon beim Betreten des Restaurants, wo man hinter der traditio­nellen Fassade von einem sehr eigenständigen und modernen, aber dennoch gastfreundlichen Interieur überrascht wird. Die Küche kann man mit ähnlichen Attributen beschreiben.
Ein Steaktatar vom Thunfisch in Gänseleber und Baumkuchen mit kalt frittiertem Onsen-Ei ist nicht nur eine ungewöhnliche Variation der Gänseleber als Vorspeise, sondern überrascht auch durch Texturen und Temperaturen, die gepaart mit Süße und leichter Würze zu einem unvergleichlichen Geschmacks­erlebnis auf der Zunge führen – ein ab­soluter Referenzgang. Auch der sous-vide gegarte Schellfisch an Tomatencoulis und Seegras mit Avocado/Oliven-Confit und der Salat vom Hummer und Bärlauch-Zabaione auf gebackener Grapefruit waren sehr eigenständige Gänge, die zu überzeugen wussten und auf das zweite Highlight einstimmten – ein Dessert von Birnen und Schokolade. Abgerundet durch Rhabarber und Minze bot dieser Gang eine so grandiose Variation der beiden Grundelemente, wie man sie sonst nur in der absoluten Top-Gastronomie findet. Dies alles zu Preisen serviert,
bei denen man sonst eher Bistroküche erwartet, macht das Erlebnis umso vergnüglicher.

Text: Max Vanderveer, highendfood.org
Aus Effilee #23, Winter 2012
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