Frische Grube

Nils Schiffhauer im Februar 2017: Vervollständigt aufs Allerschönste die Gewissheit, dass Wismar eine der lebenswertesten Städte Deutschlands ist

Weltkulturerbe, urbi et orbi. Murnaus Nosferatu (1922) blendet mit der Wasserkunst auf dem Marktplatz auf. Und die Gastronomie an dessen Rande oft ebenfalls eine Symphonie des Grauens. Aber an der Frischen Grube, im Schatten von St. Nikolai, da steht die Tür eines Restaurants offen, das man, wie der Herr Schneck sein Haus, immer mit sich buckeln möchte. Der Zehneuroschein scheint die obere Grenze fast des gesamten Mittagstischs zu markieren. Hähnchenkeule aus dem Ofen mit Champignons, Paprika und Drillingen. Das schlägt schon den Ton der gut gemachten Alltagsküche an, die immer noch mit einem Extrapfiff um die Ecke kommt. Wie das Apfelchutney, das gebratenes Seehechtfilet mit Spargelrisotto erfrischend ergänzt. Das alles ebenso stimmig wie etwas würzender Speck dazu. Ein Glas Sanddornlassi? Famose Idee, auch wenn für mich diese Fasanenbeere immer ein wenig nach reisekranken Kleinkindern duftet. Dann der Große bunte Salat, sorgsam geschmacklich wie farblich zusammengestellt mit Ziegenquark und Pesto, denen frische Erdbeeren süßsäuerliche Fruchtigkeit entbieten. Der Kartoffelstampf handwerklich, die Schmorzwiebeln ebenfalls, die Thüringer dazu mit Bedacht gewählt. Die Abendkarte lockt mit geschmortem Landkaninchen in mediterraner Fassung. Vegetariern sagen sie nicht: »Dann mach’ ich euch was mit Hühnchen!« Erbsenrisotto mit gebratenen Pfifferlingen und Aprikosen ist ja nicht nur ’ne Ansage, sondern Hochgenuss auf Weltkulturniveau.

Vervollständigt aufs Allerschönste die Gewissheit, dass Wismar eine der lebenswertesten Städte Deutschlands ist
Frische Grube
Wismar, Deutschland
www.frischegrube.de
Aus Effilee #39, Winter 16 / 17
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