Destille

Nils Schiffhauer im März 2017: Es ist unbedingt das Ganze, was lebhaft zu Besuch wie Nachahmung empfohlen sei

 

Neben dem Bahnhof steht in Hamburg das Museum für Kunst und Gewerbe, darin das einzigartige Museums­bistro, das ein vielfältiges Büffet munterer und wechselnder Köstlichkeiten, oft mit leichtem Nahost-Touch, bereithält. Aber auch Camembert, Steckrüben­suppe, Matjes. Und frisch gezapftes Bier. Seit über zwei Jahrzehnten zuverlässiger Ankerplatz, wenn einem zwischen 11 und 16 Uhr nicht nach großem Besteck zumute ist. Neulich überraschte mich Petersiliensalat, zuletzt gegessen im St. John, London. Die eingelegten Artischocken sind ebenso fein wie die Kartoffeln in der Schale, der Reissalat mit Safran, Rosinen, Nüssen und einem Hauch Kreuzkümmel, Tafelspitz in Vinaigrette. Rucolasalat, eingelegte Karottenscheiben. Und Berge des Super­linsensalates habe ich dort verputzt! Hohe, helle Räumlichkeiten, Thonet-Stühle, Spiegelwände für lebhafte Querbezüge; großzügig Platz. Treffe mich da gerne zum Gespräch: Eine Stunde Aufenthalt, dann fährt der nächste ICE. Vorher nimmt man einen großen Teller. Stellt nach Gusto zusammen, sodass auch die Vegetarierinnen ohne verräterische Ansagen zu Kost kommen. 15 Euro (oh, war das schon mit Bier?!). Keine Wartezeit, keine Kellnerstörung, dennoch kultivierte Atmosphäre. Hier hast du, was die auf artisan gemachten Marktstände in den geschmacklichen Elendszonen unserer Städte nur vorgaukeln: handgefertigte Reichlichkeiten mit Seele und Herzblut, die durch Frische wie Säure empfänglich machen.

Es ist unbedingt das Ganze, was lebhaft zu Besuch wie Nachahmung empfohlen sei
Destille
Steintorplatz 1
20099 Hamburg
Deutschland
www.destilleimmuseum.de
Aus Effilee #40, Frühjahr 2017
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